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N° 42–2016: Hintergrundinformationen für die Medien zur Ministerratstagung der ESA 2016 in Luzern

14 November 2016

Die für Raumfahrt zuständigen Minister der 22 ESA-Mitgliedstaaten und Kanadas treffen sich in der Regel alle drei Jahre, um die Strategie und die Politik der ESA festzulegen. Auf diesen Tagungen entscheidet der ESA-Rat auf Ministerebene über die Prioritäten der Tätigkeiten für die kommenden Jahre und die zusätzlichen Haushaltsmittel für die Zukunft. Die Minister genehmigen die Inangriffnahme neuer und gegebenenfalls die Beendigung laufender Programme. In diesem Jahr findet die Tagung der „Raumfahrtminister“ am 1. und 2. Dezember im schweizerischen Luzern statt.

Auf der diesjährigen Tagung werden die Ziele der ESA auf der Grundlage der Vision einer vereinten Raumfahrt in Europa im Zeitalter der Raumfahrt 4.0 festgelegt.

 

Vereinte Raumfahrt in Europa

Europäische Identität sowie europäischer Geist und Zusammenhalt sind die Rahmenbedingungen für Europa, um in der Raumfahrt die besten Ergebnisse für seine Nationen und Bürger zu erzielen und dem europäischen Raumfahrtsektor weltweit zum Erfolg zu verhelfen.

Die Ministerratstagung der ESA fällt in eine Zeit gemeinsamer europäischer Ziele für die Raumfahrt: Im Rahmen einer verstärkten Zusammenarbeit für die Zukunft haben die ESA und die EU am 26. Oktober eine gemeinsame Erklärung über eine „Gemeinsame Vision und gemeinsame Ziele für die Zukunft Europas im Weltraum“ herausgegeben. Die ESA und die Europäische Kommission legen innerhalb dieses gemeinsamen Verständnisses spezifische Ziele fest. Die Kommission hat ihren Teil am 26. Oktober veröffentlicht; die ESA in ihrer Rolle als die Weltraumorganisation für Europa wird über ihre Ziele anlässlich der Ministerratstagung auf der Grundlage des ESA-Übereinkommens und des mit dem Konzept Raumfahrt 4.0 bereits vorweggenommenen Paradigmenwechsels in der Raumfahrt entscheiden.

Die vereinte Raumfahrt in Europa beschreibt die intensive Zusammenarbeit verschiedener europäischer Einrichtungen zur Stärkung Europas. Mit dieser verstärkten europäischen Zusammenarbeit in der Raumfahrt wird der Ministerrat 2016 das Spektrum und den Umfang der Tätigkeiten der ESA ausbauen, um ihren im Übereinkommen formulierten Auftrag durch eine engere Partnerschaft mit ihren Mitgliedstaaten, anderen institutionellen Akteuren und Raumfahrtakteuren weltweit zu erfüllen.

 

Raumfahrt 4.0

Die Tagung findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem das neue Zeitalter der Raumfahrt 4.0 anbricht. Die Raumfahrt wandelt sich von einer den Regierungen einiger weniger Raumfahrtmächte vorbehaltenen Domäne in einen Bereich, in dem sich zunehmend eine Vielzahl verschiedener Akteure weltweit engagieren; u. a. gehört dazu das Aufstreben von privaten Unternehmen, die Beteiligung von wissenschaftlichen Instituten, Industrie und Bürgern, die Digitalisierung und weltweite Interaktion.

Das Konzept „Raumfahrt 4.0“ steht für die Weiterentwicklung des Raumfahrtsektors hin zu einer neuen Ära, die sich durch neue Gegebenheiten auszeichnet und mittels eines Zusammenspiels von Regierungen, Privatsektor, Gesellschaft und Politik eingeleitet wird. Das Konzept „Raumfahrt 4.0“ lehnt sich an das Konzept „Industrie 4.0“ an, mit dem es dicht verwoben ist und das in den Bereichen Fertigung und Dienstleistung die vierte industrielle Revolution einläutet.

Mit dem Ziel vor Augen, den neuen Herausforderungen zu begegnen und die verschiedenen Aspekte der Raumfahrt 4.0 proaktiv zu entwickeln, kann der europäische Raumfahrtsektor weltweite Wettbewerbsfähigkeit nur durch seine vollständige Einbindung in die europäische Gesellschaft und Wirtschaft erreichen. Dies erfordert einen nachhaltigen Raumfahrtsektor, der eng mit der Struktur der Gesellschaft und Wirtschaft verwoben ist. Hierfür muss der Weltraum sicher, geschützt und leicht und frei zugänglich sein und die Raumfahrt auf einer breiten und kontinuierlichen Grundlage von herausragender Wissenschaft und Technologie aufbauen.

Die ESA wird auf der Ministerratstagung Vorschläge zur Erreichung der gemeinsamen europäischen Ziele in der Raumfahrt in diesem spannenden und herausfordernden neuen Zeitalter unterbreiten.

Die auf der Tagung zur Genehmigung vorgeschlagenen Investitionen belaufen sich insgesamt auf ca. 11 Mrd. €.

Die in der gemeinsamen Erklärung der ESA und der Europäischen Kommission festgelegten Ziele werden durch konkrete Vorschläge auf der Ministerratstagung berücksichtigt:

 

Ziel: Maximale Einbindung der Raumfahrt in die europäische Gesellschaft und Wirtschaft

Zielbetrag: 2,5 Mrd. €

Die konzertierten Anstrengungen, die schließlich zu einer umfassenden Einbindung der Raumfahrt in die europäische Gesellschaft und Wirtschaft führen sollen, beinhalten Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, die Verbindungen zwischen Raumfahrt und anderen Sektoren sowie die Schaffung einer Brücke zwischen der Raumfahrt und den Nutzern mit Hilfe von Daten und Diensten sowie zwischen der Raumfahrt und den Bürgern über Information, Inspiration und Interaktion.

Die ESA wird weiterhin gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen und somit zur Erreichung globaler Ziele der nachhaltigen Entwicklung im Zusammenhang mit Ernährung, Klimawandel und Wasserreserven beitragen und zu diesem Zweck

 

Durch die genannten Tätigkeiten und Programme wird die ESA die Vertiefung der Kenntnisse in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Anwendungen fortsetzen. Über das Bildungsprogramm wird dieses Wissen zur Sicherstellung seiner Dauerhaftigkeit an jüngere und künftige Generationen weitergegeben. Dieses Wissen ist auch wichtig zur Schaffung von Geschäftsmöglichkeiten, z. B. über Anwendungen, was wiederum wirtschaftliches Wachstum erzeugt. Die ESA wird dies durch folgende Maßnahmen fördern:

 

Ziel: Förderung eines weltweit wettbewerbsfähigen europäischen Raumfahrtsektors

Zielbetrag: 1,5 Mrd. €

Konzertierte Maßnahmen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Raumfahrtsektors auf dem Weltmarkt beinhalten auch die Ermöglichung und Umsetzung neuer Methoden der Zusammenarbeit zwischen traditionellen, neuen und aufkommenden Akteuren, neue, mit dem Konzept „Industrie 4.0“ im Einklang stehende Arbeitsweisen sowie Impulse für eine selbsttragende, kommerziell wettbewerbsfähige europäische Raumfahrtindustriebasis, die für andere europäische Sektoren offen und leicht zugänglich ist, was ihr zu einer höheren Rentabilität verhilft.

Notwendig sind daher eine Erweiterung der Basis der Industrieakteure durch die Entstehung neuer Unternehmen, darunter kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die Einführung von öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP) in Bereichen, die bisher ausschließlich durch die öffentliche Hand finanziert wurden, deutlichere und gefestigtere Verbindungen zwischen der Raumfahrt und den anderen Wirtschaftssektoren zur Förderung des gegenseitigen Technologieaustauschs sowie ergänzende Tätigkeiten.

Hierfür beabsichtigt die ESA Folgendes:

 

Ziel: Gewährleistung der Eigenständigkeit Europas hinsichtlich des Zugangs zum Weltraum und seiner Nutzung in einer sicheren und geschützten Umgebung

Zielbetrag: 2,5 Mrd. €

Europa kann den Weltraum bestmöglich nutzen, indem es ihn als eine Infrastruktur von kritischer Bedeutung wahrnimmt, wobei der Zugang zum Weltraum sowie seine Nutzung und sein Schutz für eine erfolgreiche Raumfahrt und die kritische Infrastruktur, die von Weltraumanlagen und -diensten abhängen, von grundlegender Bedeutung sind.

Zusätzlich zur Entwicklung der aus der Ariane‑62/64 und der Vega‑C bestehenden Trägerfamilie wird die ESA weiterhin die Eigenständigkeit Europas beim Zugang zum Weltraum durch Folgendes gewährleisten:

 

Die ESA wird sich ferner für eine sichere und geschützte Weltraumumgebung einsetzen, indem sie

 

Grundlage: Spitzenkompetenzen in Weltraumwissenschaft und Technologie

Zielbetrag: 4,5 Mrd. €

Erfolg setzt Spitzenkompetenzen in Forschung und Technologie voraus. Die ESA will durch Folgendes gewährleisten, dass diese Voraussetzung gegenwärtig und künftig erfüllt ist:

 

Gegenwärtig vorgeschlagener Finanzrahmen je Programmbereich

Die in der folgenden Übersicht aufgeführten Zahlen sind vorläufig und vermitteln einen Eindruck von der Bandbreite der möglichen Tätigkeiten im Weltraum und vom Weltraum aus, um die Ziele Europas in der Raumfahrt zu erreichen.

Auf der Tagung am 1. und 2. Dezember in Luzern werden die Minister und die ESA-Exekutive die Prioritäten für die kommenden Jahre erörtern und festlegen. Die Verhandlungen werden die Finanzierungskapazität der Mitgliedstaaten berücksichtigen und zur endgültigen Auswahl der Tätigkeiten führen, mit denen ein vereintes Europa den gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen am besten begegnen kann.

 

Programmbereiche

Summe 2017–19

(M€, WB 2016)

Ministerratstagung 2016 insgesamt

(M€, WB 2016)

Erdbeobachtung 500 1 600 (bis 2025)
Telekommunikation 500 1 200 (bis 2024)
Navigation 50 100 (bis 2021)
Exploration 1 100 1 600 (bis 2021)
PRODEX (unterstützt das Wissenschaftliche Programm) 100 200 (bis 2021)
Raumfahrzeugträger 1 000 1 700 (bis 2023)

Weltraumsicherheit/

Weltraumverkehrs-management

200 400 (bis 2022)
Technologie 100 300 (bis 2022)
Wissenschaft, Forschung und Entwicklung – obligatorische Tätigkeiten der ESA 2 300 3 900 (bis 2021)
Gesamt 6 Mrd. 11 Mrd.

Über die ESA

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA), Europas Tor zum Weltraum, ist eine 1975 gegründete zwischenstaatliche Organisation, deren Aufgabe darin besteht, europäische Raumfahrtkapazitäten zu entwickeln und sicherzustellen, dass die Investitionen in die Raumfahrt den Bürgern in Europa und anderswo zugutekommen.

Die ESA hat 22 Mitgliedstaaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn und das Vereinigte Königreich. Davon sind 20 auch Mitgliedstaaten der EU.

Die ESA arbeitet förmlich mit sieben anderen EU-Mitgliedstaaten zusammen. Auch Kanada nimmt im Rahmen eines Kooperationsabkommens an bestimmten ESA-Programmen teil.

Dank der Koordinierung der Finanzressourcen und Kompetenzen ihrer Mitgliedstaaten kann die ESA Programme und Tätigkeiten durchführen, die weit über die Möglichkeiten eines einzelnen europäischen Landes hinausgehen. Des Weiteren arbeitet sie eng mit der EU zusammen, um die Programme Galileo und Copernicus zu verwirklichen.

Die ESA entwickelt Raumfahrzeugträger, Satelliten und Bodenanlagen, um sicherzustellen, dass Europa bei Raumfahrtvorhaben weltweit an der Spitze bleibt.

Sie entwickelt und startet Erdbeobachtungs-, Navigations-, Telekommunikations- und Astronomiesatelliten, schickt Raumsonden in entlegene Regionen des Sonnensystems und beteiligt sich an der bemannten Exploration des Weltraums.

Mehr über die ESA: www.esa.int.

 

Nähere Auskunft erteilt:

ESA-Referat Medienbeziehungen

Tel.: + 33 (0)1 53 69 72 99

E‑Mail: media@esa.int


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