Die Earthrise-Aufnahme des NASA-Astronauten William Anders
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"Die Erde geht auf!" Vor genau 50 Jahren wurde der Erdaufgang über dem Horizont des Mondes fotografiert.

24/12/2018 2462 views 21 likes
ESA / Space in Member States / Switzerland - Deutsch

Vor 50 Jahren, am 24.Dezember 1968 umkreiste die Apollo-8-Crew den Mond und nahm dabei erstmals ein Bild von der Erde über dem Mondhorizont auf. Das als '"Earthrise" bekannte Bild gilt als Auslöser für die Entstehung der Umweltbewegung, da sie die Verletzlichkeit, aber auch gleichzeitig die Schönheit unseres Planeten im Weltall zeigt. Die berühmte Aufnahme stammt von NASA-Astronaut William Anders und zeigt, wie die Erde über dem Mond aufgeht.

Frank De Winne, Leiter des Europäischen Astronautenzentrums der ESA in Köln, teilt mit uns seine Perspektive über die Wahrnehmung der Erde aus dem All. Er erinnert sich zwar aus seinen Kindertagen nicht explizit an das Earthrise-Foto, aber dafür erinnert er sich gut an die Mondlandung.

Frank De Winne in der Sojus-TMA
Frank De Winne in der Sojus-TMA

"Meine Eltern weckten mich auf, damit ich es mit anschauen konnte. Für mich war es sehr beeindruckend, mitten in der Nacht aufzustehen, um fernzusehen", sagt er.

Doch er ahnte damals noch nicht, dass er eines Tages zu denjenigen gehören würde, die in den Weltraum fliegen, 198 (nicht aufeinander folgende) Tage in der Umlaufbahn der Erde verbringen und damit eine ganz neue Perspektive auf den Planeten gewinnen, den wir Heimat nennen.

Frank zufolge wird das Leben durch jede Erfahrung beeinflusst, aber die Zerbrechlichkeit unseres Planeten, die Dünne unserer Atmosphäre und die immense Natur des Universums beeindruckt einen besonders stark, wenn man ins All fliegt.

"Außerdem gibt es im Weltraum keine Grenzen. Wir können so lange suchen, wie wir möchten, aber eine Grenze zwischen Deutschland und Polen oder zwischen Polen und der Ukraine ist nicht zu sehen. Wir haben Tausende von Jahren damit verbracht, wegen imaginären Grenzen zu kämpfen, die aus dem Orbit nicht zu erkennen sind."

Wenn Raumfahrer die Erde aus dem Weltall zum ersten Mal sehen, bewirkt das eine Veränderung ihres Bewusstseins in Bezug auf unseren Planeten. Der Schriftsteller Frank White bezeichnet dieses Phänomen als "Overview-Effekt". Während die Erkenntnisse, die Frank De Winne und viele andere Astronauten beschreiben, uns geistig durchaus bekannt seien, sei es die direkte Erfahrung, die sie so eindrucksvoll und nachhaltig macht.

"Einige der von mir befragten Astronauten verglichen die Erfahrung mit einem Besuch des Grand Canyons in den Vereinigten Staaten - man kann den Grand Canyon beschreiben, darüber sprechen und versuchen, den Menschen zu erzählen, wie es ist, aber das ist nicht das gleiche, wie die Erfahrung selbst zu machen", erklärt er.

Aufnahme von der Erde von ESA-Astronaut Alexander Gerst
Aufnahme von der Erde von ESA-Astronaut Alexander Gerst

Ungeachtet dessen ist er davon überzeugt, dass das Earthrise-Bild und die Aufnahmen von Raumfahrern wie die von ESA-Astronaut Alexander Gerst eine wichtige Rolle dabei spielen, unseren Platz im Universum und die Notwendigkeit eines globalen Denkens besser zu begreifen.

"Die Earthrise-Aufnahme hat die Umweltbewegung verstärkt. Die Astronauten können unser Denken und Verhalten beeinflussen, indem sie ihre Erfahrungen im Weltraum mit Menschen teilen, die keine Möglichkeit haben, ins All zu reisen."

Für Frank De Winne bleibt der "Overview-Effekt" weiterhin allgegenwärtig, aber in diesen Tagen schaut er zum Mond.

"Wir haben einen langen Weg zurückgelegt, seit dieses Foto entstanden ist", sagt er. "Wir sind sechsmal auf der Mondoberfläche gelandet. Der Rosetta-Orbiter der ESA landete auf einem Kometen, Sonden und Rover landeten auf dem Mars und wir arbeiten auf der Internationalen Raumstation mit fünf internationalen Partnern und vielen weiteren Ländern zusammen.

"Nun ist die Zeit gekommen, um den nächsten Schritt zu tun und vorwärts zum Mond zu gehen - nicht, um eine Flagge zu hissen oder der Erste zu sein, sondern um den Mond als internationale Gemeinschaft zum Wohle der Erde zu erkunden. Das ist unsere Vision für Europa."

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