Expedition in die Antarktis!
13 Juni 2019
Die ESA unterhält zahlreiche Missionen im All, aber wusstest du auch, dass ESA-Wissenschaftler auch in die Antarktis reisen? Von der Forschungsstation „Concordia“ bis zum geografischen Südpol sind es nur 1.670 km! Die Station befindet sich in einer der kältesten Gegenden der Erde – auch im Sommer wird es nicht wärmer als -25 °C, und die Temperaturen erreichen dann auch schon einmal -80 °C. Die Lufttemperatur beträgt -54,5 °C im Jahresmittel, wobei die Luftfeuchtigkeit gering ist. Über das Jahr hinweg regnet oder schneit es kaum bis gar nicht.
Wieso sollte jemand von der ESA in Concordia forschen wollen? Kurz gesagt, kommen die Gegebenheiten dieser Station der interplanetaren Raumfahrt so nahe, wie das auf der Erde überhaupt möglich ist. In Concordia ist man Teil eines kleinen Teams, das isoliert vom Rest der Welt monatelang nur für sich arbeitet. Die Umgebungsbedingungen sind extrem rau, und die Forscher müssen mit dem auskommen, was sie gebunkert und sich an Fähigkeiten angeeignet haben. Mit der Langzeitbeobachtung der Auswirkungen eines Aufenthalts in Concordia bereitet sich die ESA auf eine Mission zum Mars vor.
Siehst du Paxi auf der Wasseraufbereitungsanlage? Copyright: ESA/IPEV/PNRA– C. Verseux
Die ESA-Ärztin Dr. Carmen Possnig verbrachte 12 Monate in Concordia. Dort führte sie viele Experimente zum Leben in Isolation, mit wenig Sonnenlicht und bei extremen Temperaturen durch. Ziel war es, die Auswirkungen dieses Lebens auf den menschlichen Körper und Geist zu erforschen. Tagsüber nahm Carmen Blutproben und analysierte sie.
Währenddessen gingen die anderen Teammitglieder ihren eigenen Aufgaben nach: Sie programmierten Teleskope auf der Suche nach Exoplaneten oder setzten Wetterballons aus. Florentin, der Sanitärtechniker, kümmert sich um die Wasseraufbereitungsanlage. Sie wurde von der ESA als Prototyp für eine spätere Weltraummission entworfen. Nach getaner Arbeit gibt es ein gemeinsames Abendessen und dann werden Filme geschaut, Spiele gespielt und man entspannt sich.
Oft wurde Carmen mitten in der Nacht von einem Alarm geweckt. Irgendwo gab es dann ein technisches Problem, und die Techniker eilten hin, um es zu beheben.
Die extreme Kälte macht das Leben und Arbeiten in Concordia jedoch ziemlich gefährlich. Unsere Körper fühlen sich bei 37 °C Eigentemperatur am wohlsten. Sinkt diese unter 35,5 °C, leiden wir an Unterkühlung, in der Fachsprache Hypothermie genannt. In diesem Zustand sind wir sehr müde, können nicht mehr klar denken und sprechen, und selbst einfachste Handlungen fallen uns schwer. Dieser Zustand kann sogar tödlich enden. Um dies bei Außeneinsätzen in der Antarktis zu vermeiden, benötigt das Team eine passende Ausrüstung. Dies ist die Liste der dänischen ESA-Ärztin Dr. Nadja Albersten, die sie vor ihrem Concordia-Einsatz erhielt. Alles zusammen wiegt 17 kg!
- 1 Overall
- 1 Daunenjacke mit passender Hose
- 1 dünner Overall (der trotzdem recht dick ist!)
- 2 Paar Skiunterwäsche
- 8 Paar Handschuhe/Fäustlinge unterschiedlicher Dicke
- 5 Paar Handschuhe zum Drunterziehen
- 1 Paar Polarstiefel, Innenschuhe und Sohlen zusätzlich
- 1 Paar Hausschuhe im Großvaterstil
- 2 Paar Baumwollhosen
- 1 Fleece-Jacke
- 1 Wollpullover
- 5 Paar Socken
- Augenschutz und Sonnenbrille
- Kopfbedeckung
- Eng anliegendes Halstuch
- Lippenpflege und Sonnencreme
Eine ganz schön lange Liste – und all das nur, damit man nicht erfriert! Würdest du gern in der Concordia-Forschungsstation arbeiten? Was meinst du, wie kämst du mit den schwierigen Bedingungen dort zurecht? Fällt dir noch etwas ein, dass du dorthin mitnehmen würdest, um erfolgreich zu forschen?
Schon gewusst? In ihrem Blog berichtete Dr. Carmen Possnig von einem typischen Tag in Concordia: Teil 1 und Teil 2.