ESA-Astronaut Matthias Maurer mit chinesischen Kollegen
Agency

Erstes gemeinsames Training europäischer Astronauten und chinesischer Taikonauten in China

23/08/2017 1145 views 14 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Die beiden ESA Astronauten Matthias Maurer und Samantha Cristoforetti nahmen gemeinsam mit 16 chinesischen Taikonauten in Chinas Millionenmetropole Yantai für neun Tage an einem Überlebenstraining auf See teil, das vom chinesischen Astronautenzentrum organisiert wurde.

Hintergrund eines solchen Trainings ist, dass bei Rückkehr aus dem All die Astronauten auf alle Eventualitäten vorbereitet sein müssen – und das beinhaltet eben auch die Landung auf dem Wasser. Das Überleben auf See ist daher ein wichtiger Pfeiler des Astronautentrainings. Dieses Mal aber mit einer Welt-Premiere: zum ersten Mal in der Geschichte nahmen nicht-chinesische Astronauten an dem Training in China teil.

Überlebenstraining auf See
Überlebenstraining auf See

Stärkung der Zusammenarbeit

Bevor Samantha Cristoforetti und Matthias Maurer mit dem praktischen Training begonnen haben, wurden beide vor Ort zunächst in Bezug auf technische Aspekte und Abläufe des Trainings gebrieft und beobachteten dann zuerst einmal das Taikonauten-Training, bevor sie selber mitmachen durften. 

Das Training wurde in Gruppen von drei Personen absolviert. Die europäischen Astronauten und chinesischen Taikonauten legten ihre Druckanzüge an und begaben sich dann in die Übungskapsel eines Shenzhou Raumschiffs (dem ersten bemannten chinesischen Raumschiff), die dann zu Wasser gelassen wurde. Als erstes mussten die Astronauten dann ihre Weltraumanzüge durch Rettungsanzüge ersetzen, die sie sowohl vor den herrschenden Wassertemperaturen schützen, als auch am Untergehen hinder sollten. Danach sprangen sie dann erst einmal von der Kapsel in aufblasbare Rettungsboote, bevor die Rettungsabläufe sowohl per Schiff, als auch per Helikopter trainiert wurden.

ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti in einem chinesischen Raumanzug.
ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti in einem chinesischen Raumanzug.

Diese Übung entspricht internationalem Standard, um Astronauten auf eine Wasserlandung vorzubereiten. Als Ziel dieser Übung müssen Astronauten lernen, eine Landekapsel, in die im schlimmsten Fall Wasser einströmt, zu verlassen, ohne das diese dabei kentert.

Daneben wurden Samantha Cristoforetti und Matthias Maurer auch von einem ESA Flugarzt und einem Experten der Astronautenausbildung begleitet, die ebenfalls einen tiefen Einblick in die chinesischen Trainingsmassnahmen bekamen. 

Obwohl es das erste Mal überhaupt ist, dass europäische Astronauten in China trainierten, ist es jedoch nicht die erste Zusammenarbeit zwischen der ESA und China. Bereits im letzten Jahr nahm der chinesische Taikonaut Ye Guanfu am Höhlentraining der ESA auf Sardinien teil, um Erfahrungen in einer extremen Umwelt – und das als Teil einer multinationalen Crew – zu sammeln.

Gruppenfoto: Europäische und chinesische Raumfahrer
Gruppenfoto: Europäische und chinesische Raumfahrer

Beide Trainingsmassnahmen – das Höhlentraining und das Überlebenstraining auf See – sind das Ergebnis einer 2015 unterschriebenen Vereinbarung, um die Zusammenarbeit zwischen der ESA und der China National Space Administration zu stärken – mit dem zukünftigen Ziel, dass ein europäischer Astronaut auch zur Chinesischen Weltraumstation fliegt, die ihren Betrieb 2022 aufnehmen soll.

In der Zwischenzeit sind weitere Trainings und andere gemeinsame Aktivitäten geplant, um das Verständnis füreinander zu stärken und die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren.

Dr. Rüdiger Seine, Leiter der Astronautenausbildung im European Astronaut Centre, sagte zum Abschluss des Trainings, dass “dies ein weiterer erreichter Meilenstein ist, um eine gute Zusammenarbeit mit China als Weltraumpartner zu etablieren.”

Und auch Matthias Maurer, der das gemeinsame Training mit den chinesischen Freunden und Kollegen als eine “tolle Erfahrung” empfand, hält die Zusammenarbeit mit China für sehr wichtig, schliesslich wird “das Land neben den USA und Russland eine der großen Weltraumnationen der Zukunft sein.”

Related Links