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Intel kauft ein Unternehmen aus ESA-Inkubator auf

16/12/2016 685 views 6 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Es gibt Tausende von Unternehmen im Bereich der Drohnentechnik – aber Intel hat beschlossen, Mavinci aufzukaufen, ein Start-up aus einem der Business-Inkubatoren der ESA in Deutschland, das ein einfach zu verwendendes System zur Geländeüberwachung entwickelt hat. 

“Sie konzentrieren sich auf Präzisions-Nutzlasten für den Bau und für Inspektionen”, erklärt Anil Nanduri, der führende Kopf im Drohnengeschäft von Intel. “Sie verfügen über die beste Software zur Terrainabbildung für die Einsatzplanung. Damit kann ein Einsatz für einen bestimmten Auftrag sehr schnell erstellt werden.”

Das Unternehmen wird mit Ascending Technologies zusammenarbeiten, die ebenfalls von Intel erworben wurden. Gemeinsam sollen sie das Geschäft von Intel für Kunden aus der Landwirtschaft, dem Versicherungsgewerbe, dem Bau und Bergbau vorantreiben.

Ascending Technologies entwickelt künstliche Intelligenz zur Kollisionsvermeidung für unbemannte Flugzeuge.

Sirius, der Starrflügler von Mavinci, wird als einfach zu montierende Drohne mit einer Flügelspannweite von knapp 2 m in einer Box geliefert. Er bietet eine Fernerkennung mit ultrahoher Auflösung – bis auf wenige Zentimeter – in Satellitenqualität.  

Die Drohne mit Propellerantrieb erfasst im Flug mehr als 2000 Bilder im sichtbaren und fast infraroten Bereich sowie geolokalisierte 3D-Bilder. Die Montage nimmt nur wenig Zeit in Anspruch. Für den Start wird das Flugzeug einfach nur mit der Hand in die Luft geworfen.

Der eigens für die Drohne konzipierte Autopilot von Mavinci steuert das Flugzeug vom Start bis zur Landung. Hierfür setzt er präzise Satellitennavigation ein und erfasst auf seiner programmierten Flugroute Bilder. Währenddessen überwacht er automatisch den Flugverkehr, um Zusammenstöße zu vermeiden.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, verfolgt ein Pilot den Flugweg und steht bereit, um jederzeit die Kontrolle zu übernehmen.

Erosion in Canyons
Erosion in Canyons

Die Drohnen von Mavinci werden bereits überall auf der Welt eingesetzt, unter anderem bei der Nachverfolgung von Erosionserscheinungen in Canyons im spanischen Andalusien, der der Überwachung von Kohleminen in Australien, zur Erstellung einer Friedhof-Datenbank in der Tschechischen Republik und zur Nachverfolgung von Ernteschäden in Deutschland für Versicherungszwecke.

Das Unternehmen mit Sitz im badischen St. Leon-Rot beschäftigt mehr als 20 Mitarbeiter.

Förderung durch ESA-Inkubation

“Die vier Gründer von Mavinci traten 2009 an uns heran und baten um Unterstützung bei der Umsetzung Ihrer Idee in eine geschäftsfähige Lösung”, erzählt Frank Zimmermann, Geschäftsführer der cesah GmbH. Das Centrum für Satellitennavigation Hessen (cesah) führt seit 10 Jahren das ESA Business Incubation Centre in Darmstadt

Geländeüberwachung
Geländeüberwachung

In den zwei Jahren, die Mavinci im Inkubator in unmittelbarer Nähe des ESA-Satellitenkontrollzentrums ESOC verbrachte, entwickelte das Unternehmen seine Idee für ein kleines, tragbares unbemanntes Flugzeug zur Geländeüberwachung.

“Die ESA bot finanzielle Unterstützung über cesah, damit sie mit entsprechendem Büroraum und der technischen Expertise von ESA-Ingenieuren starten konnten. Parallel dazu wurden sie von der Technischen Universität Darmstadt unterstützt, und wir halfen ihnen, einen erfolgreichen und realistischen Businessplan zu erstellen und geeignete Netzwerkpartner zu finden.

“Das ist ihnen so gut gelungen, dass das amerikanische multinationale Unternehmen Intel sie in ihr neues Drohnenprogramm integrieren wollte – primär aufgrund ihrer Kompetenz, die sie während der ESA-Inkubation entwickelt haben.”

Mavinci wird nun Teil des Drohnenprogramms von Intel für die Entwicklung von Drohnen für den Verbrauchermarkt und kommerzielle Anwender und wird auch Bauteile und Kameratechnologie von Intel in die Fluggeräte integrieren.

“Herzlichen Glückwunsch an Mavinci. Das ist unser Ziel: erfolgreiche neue Unternehmen in Europa fördern”, meint Frank Salzgeber vom ESA Technologietransfer Programm, in dem 16 Inkubatoren in ganz Europa betrieben werden.

Bis jetzt hat die ESA mehr als 430 Start-ups unterstützt, über 70 davon im Inkubator in Darmstadt, den cesah betreut.

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