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ESA-Astronautenduo wohlbehalten zurück auf der Erde
ESA PR 49-2006. Mit der Landung des US-Raumtransporters „Discovery“ heute um 23.32 Uhr MEZ in Cape Canaveral, Florida, ging eine der bisher kompliziertesten ISS-Montagemissionen zu Ende. Die Raumfähre brachte außerdem die ESA-Astronauten Christer Fuglesang und Thomas Reiter zur Erde zurück. Die Rückkehr der „Discovery“ beendete die NASA-Mission STS-116, in deren Rahmen ein neues Gitterstrukturelement sowie Versorgung und Ausrüstung zur Internationalen Raumstation (ISS) gebracht wurden. Für die ESA bedeutet sie außerdem den Abschluss zweier bemannter Missionen, „Astrolab“ mit Thomas Reiter und „Celsius“ mit Christer Fuglesang.
Die ärztliche Untersuchung, der sich die Astronauten nun unterziehen werden, ist Teil der wissenschaftlichen Experimente, an denen sie beteiligt waren. Anschließend kehrt die Mannschaft zur Einsatzbesprechung nach dem Flug ins Johnson Space Center der NASA im texanischen Houston zurück.
Die Mission „Astrolab“ begann am 4. Juli mit dem Start des deutschen ESA-Astronauten Thomas Reiter auf dem vorangegangenen Flug der „Discovery“. Zwei Tage später meldete er sich als Flugingenieur auf der ISS zum Dienst. Damit war auch erstmals seit Februar 2003, als nach dem tragischen „Columbia“-Unglück die Shuttle-Flüge vorerst ausgesetzt wurden, wieder eine dreiköpfige ständige Bordmannschaft auf der Station.
Reiter, ein hoch erfahrener Fachmann auf dem Gebiet des Betriebs von Raumstationen, erfüllte sowohl im amerikanischen als auch im russischen ISS-Segment eine Vielzahl von Betriebs- und Wartungsaufgaben und bediente Forschungseinrichtungen zur Unterstützung internationaler wissenschaftlicher Experimente. Er führte ein Programm europäischer Experimente auf Gebieten wie Humanphysiologie und psychologie, Mikrobiologie, Plasmaphysik und Strahlungsdosimetrie sowie Technologiedemonstrationen und Experimente für Industrie- und Bildungszwecke sowohl für Universitäten als auch für Sekundar- und Grundschulen durch.
Während seines Aufenthalts testete Reiter eine 3D- und eine HD-Kamera, wobei äußerst beeindruckende Aufnahmen im Innern der ISS entstanden. Solche Kameras sollen künftig Zuschauern auf der Erde das einzigartige Gefühl des Lebens und Arbeitens im Weltraum näher bringen.
Für die „Astrolab“-Mission verbrachte Reiter 171 Tage im Weltraum. Aufgrund der 179 Tage, die er bereits von September 1995 bis Februar 1996 im Rahmen von Euromir 95 im All war, hält er damit den neuen europäischen Weltraumaufenthaltsrekord.
Der erste Schwede im Weltraum, ESA-Astronaut Christer Fuglesang, startete am 10. Dezember mit der „Discovery“ zur ISS. Während seines 13-tägigen Aufenthalts absolvierte er ein äußerst anspruchsvolles Programm.
Zu seinen Aufgaben als Missionsspezialist in der NASA-Crew gehörten die Sicherung des Andockmanövers an die ISS, Unterstützung beim Einfahren eines der 34 m langen Solarzellenflügel der ISS, das Umladen von Gütern und Ausrüstungsgegenständen zwischen dem Shuttle und der Station und die Aussetzung von drei Mikrosatelliten nach dem Ablegen.
Der dritte Außenbordeinsatz in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember war eine „Zugabe“. Er wurde beschlossen, nachdem die Mannschaft Schwierigkeiten beim Einfahren eines der ersten ISS-Solarzellenflügels hatte. Bei ihrem erneuten Ausstieg bekamen Fuglesang und Curbeam das klemmende Sonnensegel frei.
Während ihres Flugs haben sowohl Reiter als auch Fuglesang Daten über die Strahlungsdosis gesammelt, der sie bei ihren Arbeiten innerhalb und außerhalb der ISS ausgesetzt waren. Dank der an Bord mit der ALTEA-Ausrüstung durchgeführten Experimente zur Messung des Durchflusses energiereicher Teilchen durch das Gehirn der Astronauten in niedrigen Erdumlaufbahnen und nach ihrer Rückkehr zur Erde, um zu überprüfen, welche Auswirkungen diese Strahlung auf ihre Chromosomen hat, werden diese Daten nun Fachleuten aus Wissenschaft und Medizin bei der Bewertung des Strahlungsrisikos bei künftigen Langzeitmissionen und insbesondere Flügen jenseits niedriger Erdumlaufbahnen helfen.
Die Missionen „Astrolab“ und „Celsius“ boten außerdem Gelegenheit, die Ernährung an Bord der ISS etwas zu variieren. Ende November konnten Reiter und seine ISS-Mannschaftskollegen Michael Lopez-Alegria und Michail Tjurin ein spezielles Weltraum-Festessen probieren, das das Team des französischen Starkochs Alain Ducasse im Rahmen des Programms zur Verbesserung der Lebensqualität bei Langzeitaufenthalten im Weltraum angerichtet hat. Fuglesang brachte bei seinem Flug traditionelle schwedische Gerichte mit, darunter Elchwurst und Karamelbonbons, um seinem Aufenthalt einen Hauch Skandinavien zu verleihen.
„Astrolab“ und „Celsius“ waren die ersten einer Reihe von ISS-Missionen der ESA, mit denen Europa seine Rolle als „Seniorpartner“ des Vorhabens wahrnimmt, der mit noch zu montierenden europäischen Modulen zu Wartungs- und Montagearbeiten beiträgt.
„Thomas und Christer haben gezeigt, dass Europa bei Betrieb und Montage der ISS nunmehr eine führende Rolle spielt“, sagte Daniel Sacotte, der Direktor der ESA für Programme für Bemannte Raumfahrt. „Dies ist der Beginn eines neuen Zeitalters für die bemannten Missionen der ESA. Wir sind nicht mehr nur Besucher im Orbit, sondern gehören jetzt zu den Besitzern, was bedeutet, dass wir unseren Verpflichtungen nachkommen und von den Vorteilen profitieren.
2007 sollen mindestens zwei ESA-Astronauten für Montagemissionen zur ISS fliegen. Die ESA verhandelt außerdem über eine Fluggelegenheit für einen dritten Astronauten, der als zweiter europäischer Astronaut als Mitglied der ständigen Bordmannschaft für eine längere Zeit auf der ISS leben und arbeiten würde.
Bereits genehmigt sind die Flüge des Italieners Paolo Nespoli, der im Rahmen der Mission STS-120 im Sommer den Verbindungsknoten 2 zur ISS bringen soll, und des Deutschen Hans Schlegel mit Flug STS-122, mit dem im Herbst das Columbus-Labor gestartet wird. Über den Langzeitflug des Franzosen Léopold Eyharts wird gegenwärtig mit der NASA diskutiert.
Reiter und Fuglesang werden Anfang nächsten Jahres nach Europa zurückkehren; Reiter wird Mitte Januar wieder in Deutschland sein. Die erste Interviewgelegenheit mit den beiden wird derzeit von der ESA für Donnerstag, den 18. Januar im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln organisiert. Die ESA wird spätestens Anfang Januar Einzelheiten zu dieser Medienveranstaltung bekannt geben.
Nähere Auskunft erteilt: ESA-Referat Medienbeziehungen Tel.: +33(0)1 53 69 71 55 Fax: +33(0)1 53 69 76 90
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