Mission abgeschlossen: Höhlen-Crew kehrt zur Erde zurück

Das Caving-Team bei seiner Rückkehr aus den Höhlen.
24 Oktober 2011

Fünf Astronauten führte ihre Mission anstatt in den Weltraum zunächst unter Tage. Die CAVES-Mission der ESA bereitet Astronauten unter realen Explorationsbedingungen auf die Arbeit in einem internationalen Team vor. Am 21. September kehrte die „Crew“ nach sechs Tagen in absoluter Dunkelheit wieder ans Tageslicht zurückgekehrt.

Sardinien ist nicht nur eine beliebte Ferieninsel im Mittelmeer, sondern auch zur Astronautenausbildung hervorragend geeignet. Im Inneren der Insel gibt es einsame, raue Gebirgszüge und Urwälder.

Zwei ESA-Astronauten, die dort bereits ihr Überlebenstraining absolviert hatten, kamen kürzlich mit amerikanischen, russischen und japanischen Kollegen zurück.

Sechs Tage lang lebten und arbeiteten sie in den komplexen Höhlensystemen der Insel, die noch längst nicht vollständig kartiert und erforscht sind.

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Weltraumähnliche Bedingungen

„Selbst für Astronauten stellt das Leben in dieser dunklen, kalten und feuchten unterirdischen Welt eine komplett neue Situation dar, die interessante psychologische und logistische Probleme birgt“, so Loredana Bessone, Astronautentrainerin im Europäischen Astronautenzentrum in Köln.

„Die Höhlen sind von der Außenwelt abgeschnitten. Wie auf einem Raumschiff bewegen sich die Astronauten auf engstem Raum mit minimaler Intimsphäre und sehen sich technischen Herausforderungen sowie der eingeschränkten Versorgung mit Equipment, Komfort und Hygieneartikeln ausgesetzt.“

Loredana Bessone hat zwar schon häufiger Teams in den Höhlen trainiert, doch zum ersten Mal war die Mannschaft so international zusammengesetzt: Neben Tim Peake und Thomas Pesquet von der ESA nahmen auch Randolph Bresnik von der NASA, Norishige Kanai aus Japan und Sergej Ryschikow aus Russland teil.

„Wir hatten die seltene Gelegenheit, in einer Trainingsumgebung die mit einer Weltraummission verbundenen Schwierigkeiten am eigenen Leib zu erfahren“, so Tim Peake.

„Bei unserer Mission ging es um Teamwork und die Lösung von Problemen mit einer kleinen internationalen Mannschaft, bei der unterschiedliche Kulturen und Muttersprachen eine Rolle spielen.“

Thomas Pesquet lobt das Team und die gute Organisation: „Alle waren hochkonzentriert bei der Sache, und wir haben gemeinsam viel erlebt.“

„Ein Aufenthalt in der Höhle ist ein bisschen wie Bergsteigen, aber die Herausforderungen sind ungleich größer - man ist von der Außenwelt abgeschnitten, es ist dunkel, und sich ständig voll konzentrieren, um nicht an scharfkantigen Felsen oder in Gesteinsspalten hängen zu bleiben.“

Echte Explorationsbedingungen

Ganz wie bei einer Weltraummission war der Alltag einem festen Zeitplan zufolge strukturiert. Zweimal am Tag wurden über eine besondere Telefonverbindung zu einem Supportteam am Höhleneingang Planungsbesprechungen abgehalten.

„Am spannendsten wurde es, wenn wir uns in unbekannten Bereichen befanden und entscheiden mussten, wie es weitergehen und wie wir uns organisieren sollten“, erläutert Thomas Pesquet.

„Wir stießen auf unterirdische Seen und mussten entscheiden, ob wir sie mit Seilen oder im Schlauchboot überqueren wollten, ob wir zusammenbleiben oder uns in kleinere Gruppen aufteilen sollten und so weiter.“

Zu ihren wissenschaftlichen Aufgaben gehörten Kartierung, fotografische Dokumentation sowie Überwachung von Luftzirkulation, Temperatur und Feuchte. Außerdem nahmen sie geologische und mikrobiologische Proben.

Action bis zum Schluss

„Der etwa fünfstündige Weg aus der Höhle hinaus bis zu unserem Camp war technisch anspruchsvoll und wir brauchten die Unterstützung unseres Supportteams“, bemerkt Tim Peake. „Wir hatten wirklich das Gefühl, dass wir ziemlich weit weg waren“.

„Als wir nach oben kamen, sah in unseren Augen alles seltsam aus: Das Blau des Himmels und die übrigen Farben sahen richtig künstlich aus, die Gerüche der Natur erschienen uns unglaublich stark“, erinnert sich Thomas Pesquet. „Die reale Welt fühlte sich allzu real, geradezu übertrieben echt an“.

Zum Abschluss der Mission schrieb die Crew einen Bericht, nahm an einer letzten Einsatznachbesprechung teil und erstellte eine Präsentation, die den nächsten „Höhlen-Astronauten“ von Nutzen sein wird.

Tim Peake fasst das Ganze in folgenden Worten zusammen: „Das wertvollste Ergebnis dieser Mission ist die persönliche Freundschaft, die zwischen den Teilnehmern entstanden ist.“

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