Envisat-Dienst unterbrochen

Letzte MERIS-Aufnahme vor Abbruch der Kommunikation
12 April 2012

Nach 10-jähriger Betriebszeit hat Envisat aufgehört, Daten zur Erde zu schicken. Die ESA-Missionskontrolle arbeitet daran, den Kontakt zu dem Satelliten wieder herzustellen.

Obwohl diese Mission, die als Meilenstein der Erdbeobachtung gilt, bereits doppelt so lange im Orbit ist als vorgesehen, hofft die ESA, den Betrieb des Satelliten bis zum Start der Nachfolgemission „Sentinel“ aufrecht zu halten.

Die ersten Anzeichen für Probleme gab es am 8. April, als der Kontakt zum Satelliten unerwartet abbrach und beim Überflug der schwedischen Bodenstation Kiruna keine Daten empfangen werden konnten.

Das ESA-Missionskontrollteam in Darmstadt erklärte einen Raumfahrzeug-Notfall („spacecraft emergency“) und erbat sofort Hilfe von weiteren ESA-Bodenstationen auf der ganzen Welt. Schnell wurde ein Team aus Betriebs- und Flugdynamik-Spezialisten zusammengestellt. In gemeinsamer Anstrengung versuchte das Rettungsteam, darunter auch Experten der Industrie, in den darauf folgenden Tagend , die Kommunikation zum Satelliten wieder herzustellen.

Envisat befindet sich zwar in einer stabilen Erdumlaufbahn, jedoch waren bisher alle Versuche, den Kontakt wieder aufzunehmen, nicht erfolgreich.

Entsprechend der üblichen Vorgehensweise untersucht eine Expertenkomission gegenwärtig die Ursache für den Kommunikationsausfall.

ASAR image before loss of contact
Letzte ASAR-Aufnahme.

Envisat hat seine vorgesehene Lebensdauer von fünf Jahren weit überschritten. Seit seinem Start 2002 hat der bemerkenswerte Satellit die Erde mehr als 50.000 Mal umkreist und dabei Tausende Bilder und eine Fülle von Daten produziert, mit denen wir unseren sich verändernden Heimatplaneten untersuchen und verstehen können. Envisat wurde dadurch zu einem Meilenstein der Umweltbeobachtung aus dem Weltraum.

Der komplexeste Erdbeobachtungs-Satellit der Welt trägt zehn hochmoderne Instrumente an Bord, die wichtige Informationen über unsere Land- und Eismassen, Ozeane und die Atmosphäre liefern. Zusammen mit den Daten der ERS-Missionen , hat Envisat präzise Messungen über den Klimawandel der letzten 20 Jahre ermöglicht.

Mehr als 4000 Projekte in über 70 Ländern wurden bislang mit Envisat-Daten unterstützt. Die archivierten Daten werden den Anwendern weiterhin zur Verfügung stehen. Ein Krisen-Abkommen mit der Kanadischen Raumfahrtbehörde über die Nutzung von Radarsat-Daten wird in Kraft gesetzt werden, um einigen der Anforderungen der Envisat-Nutzer gerecht zu werden, sollte das Problem fortbestehen.

Prof. Volker Liebig, ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme, sagte: „Die Unterbrechung des Envisat-Dienstes zeigt, dass der Start der GMES Sentinel Satelliten, die Envisat ersetzen sollen, eilt.“

Der erste Satellit der neuen Sentinel-Missionen im Rahmen der europäischen Initiative für globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES) wird vorbereitet und soll die Nachfolge von Envisat antreten. Die Sentinel-Missionen werden Daten liefern, die für Informationsdienste benötigt werden, um das Umweltmanagement zu verbessern, um die Auswirkungen des Klimawandels zu verstehen und einzudämmen und um die zivile Sicherheit zu garantieren.

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