HOPE findet Minen effektiver

Das HOPE-Team in Sarajevo
2 August 2001

Der Minendetektor HOPE, ein überwiegend von der Europäischen Union finanziertes und unter Ausnutzung von Weltraumtechnologien der ESA entwickeltes Minensuchsystem hat seinen ersten Test in Bosnien überzeugend bestanden. Mitarbeiter der Norwegian Peoples Aid (NPA), eine Nicht-Regierungshilfsorganisation, haben im Juni und Juli zusammen mit einem Industrieteam in der Nähe von Sarajevo den Detektor unter realen Bedingungen erprobt und dabei gezeigt, daß das neue System wesentlich effektiver im Vergleich zu bisher eingesetzten Methoden ist.

Die Aufgabe ist gewaltig und gefährlich. Experten gehen von weltweit über 100 Millionen ausgesetzten Landminen aus und täglich werden Menschen durch sie verletzt. Die Europäische Union finanziert deshalb im Rahmen von Hilfsprogrammen auch Projekte zur Minenräumung in ehemaligen Kriegsgebieten. Ein Projekt ist HOPE (Handheld Operational Demining System) zur Entwicklung eines neuartigen Minendetektors. HOPE setzt drei verschiedene Sensorarten gleichzeitig für die Detektion von Minen ein. Dadurch soll das innovative System wesentlich schneller und genauer arbeiten. Neben dem klassischen Metalldetektor kommen noch ein Radar, das eigentlich für Weltraummissionen entwickelt wurde, und ein Mikrowellenradiometer zum Einsatz. So lassen sich Minen von anderen metallischen Gegenständen unterscheiden und ihre Lage im Boden dreidimensional auf drei cm genau bestimmen, was die anschließende Beseitigung wesentlich effektiver macht. Auch neuere Plastik-Minen mit sehr geringem Metallgehalt werden erkannt.

Erste reale Tests in Bosnien

HOPE beim Test in Bosnien

Nachdem der Prototyp von HOPE gewissermaßen unter Laborbedingungen in Deutschland und Belgien auf Testfeldern mit verschiedenen Minentypen und anderen Gegenständen seine Tauglichkeit beweisen konnte, erfolgte jetzt die "Feuertaufe" unter realen Bedingungen in der Nähe von Sarajevo in Bosnien.
Dr. Braun vom schweizerisch-deutschen Unternehmen RST Radar Systemtechnik AG, eine der führenden Firmen im HOPE-Projekt und Lieferant des Radar-Systems GPR, zeigte sich nach den ersten Versuchen begeistert:
"Es ist das erste Mal, daß unser Gerät mit realen Minen und mit den künftigen Nutzern der neuen Technik erprobt wurde. Das Engagement der Mitarbeiter der NPA ist hervorragend. Sie haben 300 Minenfelder in der Größe von 0,5 m mal 1,0 m für unsere Tests vorbereitet, die nicht explodierte Minen und andere Überbleibsel des Krieges enthielten. So konnten wir die Leistungsfähigkeit von HOPE unter realen Bedingungen testen."

Vorbereitung für Serienproduktion

Die Tests wurden von einem Industrieteam, das den Minendetektor entwickelt hat, durchgeführt. Die Mitglieder dieses Teams wußten nicht, was und wo sich in den Versuchsfeldern etwas befand, so daß eine objektive Beurteilung der Testergebnisse möglich wird. Derzeit werden die Daten analysiert.

Dr. Braun von RST zeigte sich für den weiteren Verlauf der Entwicklungsarbeit bis zur Serienproduktion sehr zuversichtlich:
"Wir wollen die Testphase in den nächsten Monaten abschließen. Wir wissen aber bereits jetzt, daß dank der neuen Technologien HOPE eine weitaus höhere Erkennungsrate hat, als herkömmliche Metalldetektoren.
Wir planen nun, basierend auf den gewonnenen Erfahrungen und Ergebnissen in einem zweijährigen Folgeprojekt einen verbesserten HOPE2-Prototypen zu fertigen. Das ist ein sehr anspruchsvoller Zeitrahmen, aber wir haben es schließlich mit einem sehr ernsten Problem zu tun und wollen so schnell wie möglich dafür Lösungen anbieten. Unsere Technologie ist jetzt auf einem solchen Stand, daß Mitte nächsten Jahres, eine entsprechende Finanzierung vorausgesetzt, die HOPE2-Prototypen fertig sein können. Sie sollen dann bei normalen Minensuch-Operationen erprobt werden. Mit den dabei gewonnenen Erfahrungen können wir dann einen endgültigen Prototypen fertigstellen und am Ende des neuen Zwei-Jahres-Projekts in Produktion gehen."

Pierre Brisson, Leiter des Technologie Transfer Programms der ESA, hat bereits bestätigt, daß die ESA das HOPE-Projekt auch weiter unterstützen wird. Wenn Dr. Brauns Plan aufgeht, könnte bereits Ende 2003 die Serienproduktion der neuen Detektoren beginnen.

Neben der RST Radar Systemtechnik AG sind noch führend an dem Projekt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (Mikrowellenradiometer) und die Vallon GmbH (Metalldetektor) aus Deutschland beteiligt.

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