Mit dem Satelliten-Guide an die richtigen Orte

Tower Bridge in London
10 September 2013

Sie besuchen eine neue Stadt und wollen etwas Interessantes unternehmen? Dann schalten Sie auf Ihrem Smartphone einfach die neue Satellitennavigations-App eines ESA-Start-ups ein und lassen Sie sich ganz individuell durch die Stadt führen.

Die App der Farol City Guides, die es bereits für elf europäische Großstädte gibt, ist eine bequeme Lösung für alle, die nur ein paar Stunden Zeit in der Stadt haben. 2012 wurde sie von der portugiesischen Stadt Porto zum offiziellen Guide gewählt.

Smartphone App

Bei der Planung Ihrer persönlichen Städtetour berücksichtigt diese App die Ihnen zur Verfügung stehende Zeit, Ihren Standort und die Orte, die Sie gerne besuchen möchten. All diese Informationen stimmt sie in Echtzeit auf Ihr Profil und Ihre Umgebung ab.

Vor allem arbeitet sie komplett offline, da sie alle ortsspezifischen Touristeninformationen vorab herunterlädt und so teure Roaming-Gebühren vermeidet.

Die App liefert schnell und einfach das Beste, was eine Stadt während eines Kurzaufenthalts zu bieten hat. Die Idee dazu entstand 2009, als Bruno Fernandes wissen wollte, was er auf einer Wochenendreise nach Rom besichtigen könnte.

„Die schier überwältigende Masse an Informationen darüber, was ich als Tourist in Rom in diesen wenigen Tagen besichtigen kann, war für mich der Auslöser, Farol zu starten“, so Bruno Fernandes. Er gründete daraufhin das deutsche Unternehmen LatitudeN, um die App zu entwickeln.

„Das ist heutzutage ein weit verbreitetes Problem für Reisende. Die bislang verfügbaren Reise-Apps liefern nur die üblichen Informationen, die nirgendwo gebündelt werden. Darüber hinaus bietet das Internet riesige Mengen an Informationen, durch die man sich hindurcharbeiten muss. Oft dauert es viel zu lange, herauszufinden, was einen in einer Stadt interessiert, gerade dann, wenn man bei einem Kurzbesuch nur einen halben Tag Zeit hat.“

Unterstützung durch ESA Business Incubation

Vorbereitung einer Stadttour

„Bruno wandte sich als Unternehmer an uns und bat uns um Unterstützung bei der Umsetzung seiner Geschäftsidee“, erklärt Dr. Frank Zimmermann, Geschäftsführer der cesah GmbH Centrum für Satellitennavigation Hessen, dem Unternehmen, das im Auftrag der ESA das Business Incubation Centre Darmstadt betreibt (der wiederum Teil des ESA-Programms für Technologietransfer ist).

„Wir haben ihm geholfen, seine Idee zur Marktreife zu bringen und haben ihm eine Anschubfinanzierung, Büroräume und unsere Expertise zur Verfügung gestellt, um seinem Unternehmen einen soliden Start zu ermöglichen.“

Mit Unterstützung des ESA-Centers wurde die Idee dann zu einem kompletten Produkt weiterentwickelt.

Satellitennavigation als Schlüsseltechnologie

Galileo-Satellitennavigation

Die Farol City Guides optimieren die Zeit, die Sie in einer Stadt verbringen, indem sie die relevantesten Orte für Besichtigungen gemäß Ihren Präferenzen durchsehen und sie zugleich an die aktuelle sowie die zuvor getroffene Auswahl anpassen.

„Wir wollen eine einfache und intelligente Möglichkeit schaffen, ein Gefühl für die Erkundung neuer Umgebungen zu bekommen und so die Lücke zwischen verfügbaren Informationen und den tatsächlichen Bedürfnissen und Erwartungen von Reisenden schließen“, betont Bruno. Schließlich seien die Tourismus- und Freizeitindustrie sowie smarte Mobilitätslösungen die Kernmärkte des Unternehmens.

Entscheidend ist die Verfügbarkeit von hochgenauen Satelliten-Positionierungssignalen. Mit deren Hilfe schätzen die Farol City Guides den entsprechenden Fußweg zu den verschiedenen Orten ab; sie optimieren den Routenverlauf und zeigen diesen auf der Navigationskarte der App an.

Die Integration einer effizienten und leistungsstarken Software zur Routenplanung und Profilbestimmung, die auf künstlicher Intelligenz basiert, macht die Smartphone-App zu einem benutzerfreundlichen und leicht zu bedienenden Reisebegleiter.

Von Porto im Westen bis Helsinki im Norden

Paris

Farol City Guides gibt es bereits für verschiedene wichtige europäische Städte wie Paris, London, Berlin, Rom und Amsterdam.

Nach Abschluss einer strategischen Partnerschaft mit einem der führenden europäischen Verleger von digitalen Tourismusinformationen werden die Farol City Guides bald die 25 bei Touristen am beliebtesten Städte in Europa abdecken. Die App ist derzeit für Android verfügbar. Eine iPhone-Version wird für Mitte September 2013 erwartet.

„Wir erforschen und entwickeln ständig weitere Verfahren, um die Positioniergenauigkeit der Farol-Technologie zu verbessern“, unterstreicht Bruno Fernandes. „Die Integration von Galileo-Signalen wird unser Produkt bald noch wertvoller machen.“

Farol-Städte

Im Rahmen seiner Forschungs- und Entwicklungsstrategie kooperiert LatitudeN mit Universitäten, Forschungsinstitutionen und anderen kleinen Unternehmen, um auf dem neuesten Stand in Sachen intelligenter Nutzung von Satellitennavigation für Fußgänger im Freien bzw. in Gebäuden zu bleiben.

Mit seinen Farol City Guides gewann das Unternehmen 2011 den KIS4SAT-Preis für wissensintensive klein- und mittelständische Unternehmen im Bereich der Satellitennavigation.

Im Jahr darauf hat die Nichtregierungsorganisation Eurisy Farol als eines der 30 besten Beispiele im SatNav-Sektor für Kooperationen zwischen Stadtverwaltungen und klein- bzw. mittelständischen Unternehmen ausgezeichnet; die Stadtverwaltung von Porto wählte die Farol-App sogar zum offiziellen Stadtführer.

ESA hat inzwischen mehr als 200 Start-ups und Unternehmer wie LatitudeN unterstützt, die so ihre Ideen zur Raumfahrttechnik und Raumfahrtdienstleistungen umsetzen und mithilfe der acht Inkubationszentren in sechs Ländern, die Teil des Technologietransfer-Programms sind, europäische Unternehmen entwickeln können.

Bruno Fernandes, Gründer von LatitudeN

„Die Unterstützung durch ESA Business Incubation Centre Darmstadt war eine große Hilfe, um unser System zu entwickeln und unser Unternehmen in Gang zu bringen. Auf diese Weise hatten wir Zugang zu Kontakten aus der Industrie und zum technischen Know-how der ESA und erhielten Rückenwind durch das positive Image von ESA“, sagt Bruno.

Nachdem das Unternehmen die Entwicklungsphase mit einem Betriebssystem abgeschlossen hatte, das bereits mehrere europäische Städte abdeckte, gelang es im April, Mittel von Investoren einzuwerben.

„Dank dieser Förderung können wir Farol jetzt noch schneller weiterentwickeln“, so Bruno Fernandes.

„Als nächstes wollen wir die 25 meistbesuchten Städte in Europa abdecken. Das werden wir voraussichtlich Ende 2013 abschließen. Danach planen wir, auch außerhalb von Europa aktiv zu werden – in einem ersten Schritt werden wir die größten US-amerikanischen Städte angehen.“ 

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