Robot-Späher: Die neuen Helden der Planetenforscher

Die Huygens-Sonde integriert mit dem Cassini-Orbiter

Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Mission wurde Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre geboren. Es war eine Zeit, die in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit das goldene Zeitalter der Erforschung des äußeren Sonnensystems einleitete.

Erinnern wir uns: Die spektakuläre bemannte Raumfahrt, deren sensationelle Erstleistungen uns bis zum Mond führten, ist „zur Normalität“ in den erdnahen Raum zurückgekehrt. Nach den Helden aus Fleisch und Blut sollten nun spinnenbeinige Roboter mit intelligenten Sensoren, scharfen Fernsehaugen und leistungsfähigen Computergehirnen immer tiefer in das Universum vordringen. Diese hatten bereits in wenigen Jahren mehr Erkenntnisse über die Planeten und ihre Trabanten zusammengetragen, als Astronomen es in mühevoller Jahrhunderte langer Arbeit zuvor geschafft hatten.

Jetzt galt es, die weißen Flecken im äußeren Sonnensystem zu tilgen. Priorität hatten nun die Planeten Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Ihre günstige Stellung zueinander ließ raffinierte Flugrouten entstehen, bei der mit einer Mission mehrere Himmelskörper hintereinander erforscht werden könnten.
Die Wissenschaftler träumten von einer „Grand Tour“, einer planetarischen Expeditionsreise bis an die Grenzen unseres Sonnensystems. Doch bereits Anfang der 80er-Jahre mussten sie die schmerzliche Erkenntnis gewinnen, dass zur Realisierung ihrer Visionen nicht unbegrenzt Mittel zur Verfügung stehen. Eine Tatsache übrigens, die keinesfalls als singuläre Aussage auf nur ein Land zutraf, sondern die Wissenschaftscommunity des Blauen Planeten gleichermaßen vereinte. Der Ausweg lag nahe: kreative Kooperationen.

So kamen NASA und ESA überein, ihre Ressourcen zu bündeln. 1982 und 1983 entwarfen Spezialisten beider Raumfahrtagenturen gemeinsame Projekte zur Erkundung des Sonnensystems. In einem Punkt war man sich schnell einig. Ein Orbiter sollte Saturns Atmosphäre und Magnetosphäre, seine Ringe sowie seine Monde erforschen. Gerungen wurde um das Absetzen von Landesonden in die Atmosphäre des Gasplaneten sowie seines größten Mondes, Titan. Nicht zuletzt die faszinierenden Entdeckungen der Voyager-Sonden ließen das Pendel der Projektplaner zugunsten von Titan ausschlagen.

Damit stand 1983 fest: Europa und Amerika starten mit einer anspruchsvollen planetaren Tandemmission einen konzentrierten kosmischen „Lauschangriff“ auf das Saturnsystem. Der fast 7 Meter hohe NASA-Orbiter Cassini wurde vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena entwickelt und gebaut. Die ESA steuerte die Eintauchsonde Huygens für den Titan bei. Als dritter Kooperationspartner stieg die Italienische Raumfahrtbehörde ASI ein. Sie liefert das für beide Raumflugkörper benötigte aufwendige Kommunikationssystem, einschließlich einer mächtigen Hochleistungsantenne.

Allen Beteiligten war aber auch klar: Trotz Beschränkung auf nur einen Lander (genauer: "Descent and Landing Probe") wird das Projekt in jeder Hinsicht den Rahmen des bislang Gewohntem sprengen. Eine derart gigantische, komplexe Planetenmission war zuvor weder geplant noch realisiert worden. Es ist Spitzentechnologie wie in den Träumen jedes Luft- und Raumfahrtingenieurs. Drei Raumfahrtorganisationen – NASA, ESA sowie ASI – investieren fortan fast 15 Jahre Vorbereitungszeit und 3,4 Milliarden Dollar (etwa 2,8 Milliarden Euro) in das Großprojekt, wovon etwa 25 Prozent auf Europa entfallen. Cassini/Huygens wird zum Symbol für die erfolgreiche internationale Zusammenarbeit zwischen der Alten und der Neuen Welt.

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