ESA

Back to Index

English  |  French

N° 44–2013: Erfolgreicher Start der Eine-Milliarde-Sterne-Mission

18 Dezember 2013

Die ESA-Raumsonde Gaia konnte heute Morgen an Bord einer Sojus-Trägerrakete von Europas Raumflughafen in Kourou in Französisch-Guayana aus erfolgreich abheben. Ihr anspruchsvoller Auftrag besteht in der Bestandsaufnahme von einer Milliarde Sonnen.

Gaia soll die bisher genaueste Karte unserer Milchstraße erstellen. Die präzise Erfassung der Positionen und Bewegungen von 1 % der insgesamt etwa 100 Milliarden Sterne wird neue Einblicke in den Ursprung und die Entstehungsgeschichte unser Galaxie ermöglichen.

Die von Arianespace betriebene Sojus hob um 10.12 Uhr MEZ ab. Nach der Abtrennung der ersten drei Stufen wurde etwa zehn Minuten später die Fregat-Oberstufe gezündet, um Gaia zunächst auf einen Parkorbit in 175 km Höhe zu bringen.

Die zweite Zündung der Fregat elf Minuten später beförderte Gaia dann auf ihre Übergangsbahn, auf der sie 42 Minuten nach dem Start von der Raketenoberstufe abgetrennt wurde. Die Bodenkontrolle im Europäischen Raumflugkontrollzentrum der ESA in Darmstadt stellte die Verbindungen für die Telemetrie- und Lageregelungsbefehle her, so dass das Raumfahrzeug seine Systeme hochfahren konnte.

Der Sonnenschild, der die Arbeitstemperatur von Gaia garantiert und auf dem außerdem die Solarzellen für ihren Antrieb montiert sind, wurde in einem zehnminütigen automatischen Vorgang ausgefaltet, der etwa 88 Minuten nach dem Start abgeschlossen war.

Gaia befindet sich nun auf dem Flug zu ihrer Umlaufbahn um den so genannten Lagrange-Punkt L2 in etwa 1,5 Mio. km Entfernung von der Erde, wo sich die Sonde durch die kombinierte Schwerkraft von Erde und Sonne auf einer mit der Erde synchronen Sonnenumlaufbahn bewegen wird.

Morgen werden die Ingenieure der Bodenkontrolle Gaia den Befehl für die erste der beiden entscheidenden Triebwerkszündungen geben, um sie auf die gewünschte Flugbahn in Richtung Lagrange-Punkt L2 zu bringen. Die zweite Zündung ist etwa 20 Tage nach dem Start geplant, um die Sonde in ihre Einsatzbahn um L2 einzubringen.

Auf dem Flug dorthin wird auch die viermonatige Einsatzerprobungsphase eingeleitet, während der alle Systeme und Instrumente eingeschaltet, überprüft und kalibriert werden. Erst dann wird Gaia bereit für ihre fünfjährige wissenschaftliche Mission sein.

Der Sonnenschild wird Gaia von der Hitze und dem Licht der Sonne und der Erde abschirmen und somit für die gleichbleibenden Umgebungsbedingungen sorgen, die die außerordentlich empfindlichen und komplexen Instrumente der Sonde für ihre präzise Bestandsaufnahme der Sterne in der Milchstraße benötigen.

„Gaia wird auf den Erkenntnissen der bereits 1989 gestarteten ersten ESA-Mission zur Sternenkartierung, Hipparcos, aufbauen, um Einblicke in die Geschichte der Galaxie zu gewinnen, in der wir leben“,so ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.„Dass diese Mission der nächsten Generation nun auf gutem Wege ist, uns neue, bahnbrechende Erkenntnisse über die Milchstraße zu bescheren, haben wir dem Know-how der europäischen Raumfahrtindustrie und der europäischen Wissenschaftler zu verdanken.“

Bei ihren mehrfachen Himmelsdurchmusterungen im Laufe ihres fünfjährigen Einsatzzeitraums wird Gaia jeden der etwa eine Milliarde Sterne im Durchschnitt 70 Mal ins Visier nehmen und dessen Position, wichtigste physikalischen Eigenschaften, wie Helligkeit und Temperatur, und chemische Zusammensetzung erfassen.

Durch die geringfügigen Änderungen des Blickwinkels von Gaia im Laufe ihrer jährlichen Sonnenumrundung kann sie nicht nur die Entfernung der Sterne, sondern im Laufe ihres Einsatzzeitraums auch deren Eigenbewegung am Himmel messen.

Position, Bewegung und Eigenschaften eines Sterns geben Hinweise auf dessen Entstehungsgeschichte. Die breit angelegte Sternenzählung von Gaia wird es den Wissenschaftlern ermöglichen, eine Art Stammbaum unserer Galaxie zusammenzustellen.

Die Bewegungen der Sterne können im Zeitraffer sozusagen „zurückgespult“ werden, um zu rekonstruieren, wo sie entstanden sind und wie sich die Milchstraße über Milliarden Jahre hin durch Verschmelzung kleinerer Galaxien gebildet hat, oder im Gegenteil „vorgespult“, um ihr künftiges Schicksal zu erahnen.

„Gaia steht für einen Traum, den Astronomen bereits seit der Antike hegen, genauer gesagt seit den bahnbrechenden Beobachtungen des griechischen Astronomen Hipparchos, der mit bloßem Auge und einfacher Geometrie die Positionen von etwa eintausend Sternen zueinander katalogisierte“, so Alvaro Giménez, ESA-Direktor für Wissenschaft und robotische Exploration.„Mehr als 2000 Jahre später wird Gaia nicht nur eine stellare Bestandsaufnahme bisher ungekannten Ausmaßes vornehmen, sondern dabei sicher auch auf neue Asteroiden, Planeten und sterbende Sterne stoßen.“

Durch Vergleich der bei den wiederholten Himmelsdurchmusterungen erfassten Daten wird Gaia auch Zehntausende Supernovas entdecken, jene explosiven Höhepunkte im Todeskampf großer Sterne. Regelmäßige geringfügige Positionsschwankungen von Sternen können wiederum ein Indiz für sie umkreisende Planeten sein, da diese den Stern von einer Seite zur anderen ziehen können.

Darüber hinaus wird von Gaia die Entdeckung neuer Asteroiden in unserem Sonnensystem, eine präzisere Bestimmung der Umlaufbahnen bereits bekannter Asteroiden und eine genaue Überprüfung von Einsteins berühmter Allgemeiner Relativitätstheorie erwartet.

Nach fünf Jahren wird das Datenarchiv mehr als ein Petabyte, d. h. eine Million Gigabyte, umfassen, was etwa 200 000 DVDs entspricht. Mit der Verarbeitung und Analyse dieser Datenflut wird sich das Konsortium zur Verarbeitung und Analyse der Gaia-Daten (DPAC) befassen, das mehr als 400 Mitarbeiter aus über ganz Europa verteilten wissenschaftlichen Instituten vereint.

„Während mit Hipparcos 120 000 Sterne katalogisiert werden konnten, wird Gaia fast 10 000mal so viele mit etwa 40facher Präzision erfassen“,erklärte der ESA-Projektwissenschaftler für Gaia, Timo Prusti.„Zusammen mit den Zehntausenden anderen Himmelskörpern werden wir mit dieser Datenfundgrube ein neues Bild unserer kosmischen Nachbarschaft und ihrer Entstehungsgeschichte entwerfen können, das uns die Erforschung der grundlegenden Eigenschaften des Sonnensystems und der Milchstraße und unserer Position im All ermöglichen wird.“

„Nach mehreren Jahren harter Arbeit und dank der Entschlossenheit aller an dieser Mission Beteiligten freuen wir uns nun, dass unsere Entdeckungsmaschine auf gutem Weg zu ihrem Einsatzort ist, damit wir die ehrwürdige europäische Tradition der Sternenkartierung fortsetzen und neues Licht in das Dunkel der Entstehungsgeschichte der Milchstraße bringen können“,fügte der ESA-Projektleiter für Gaia, Giuseppe Sarri, hinzu.

Entworfen und gebaut wurde Gaia von Astrium, dessen Kernteam sich auf die Unternehmensniederlassungen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien verteilte.

Über die ESA

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) ist Europas Tor zum Weltraum.

Die ESA ist eine 1975 gegründete zwischenstaatliche Organisation, deren Aufgabe darin besteht, europäische Raumfahrtkapazitäten zu entwickeln und sicherzustellen, dass die Investitionen in die Raumfahrt den Bürgern in Europa und anderswo zugutekommen.

Die ESA hat 20 Mitgliedstaaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Davon sind 18 auch Mitgliedstaaten der EU.

Im Rahmen von Kooperationsabkommen unterhält die ESA Beziehungen zu acht anderen EU-Mitgliedstaaten. Auch Kanada nimmt im Rahmen eines Kooperationsabkommens an bestimmten ESA-Programmen teil.

Darüber hinaus arbeitet die ESA mit der EU zusammen, um die Programme Galileo und Copernicus zu verwirklichen.

Dank der Koordinierung der Finanzressourcen und Kompetenzen ihrer Mitgliedstaaten kann die ESA Programme und Tätigkeiten durchführen, die weit über die Möglichkeiten eines einzelnen europäischen Landes hinausgehen.

Die ESA entwickelt Raumfahrzeugträger, Satelliten und Bodenanlagen, um sicherzustellen, dass Europa bei Raumfahrtvorhaben weltweit an der Spitze bleibt. Sie startet Erdbeobachtungs-, Navigations-, Telekommunikations- und Astronomiesatelliten, schickt Raumsonden in entlegene Regionen des Sonnensystems und beteiligt sich an der bemannten Exploration des Weltraums.

Mehr über die ESA: www.esa.int.

Weitere Informationen:

ESA-Referat Medienbeziehungen
Email: media@esa.int
Tel: + 33 (0)1 53 69 72 99



Bewerten

Angesehen

Teilen

  • Derzeit 4 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 4/5 (1 Stimmen gezählt)

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Sie haben bereits diese Seite bewertet, sie können nur eine Stimme abgeben!

Your rating has been changed, thanks for rating!

134


Copyright 2000 - 2014 © European Space Agency. All rights reserved.