Galileo und „Hessens Tor zum Weltraum“

Prominente Politiker und führende Raumfahrtmanager im ESOC
2 September 2004

Ab 2008 beginnt ein neues Zeitalter der Navigation. Dann soll das europäische Navigationssatellitensystem Galileo zur Stärkung der strategischen, wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit Europas in Betrieb gehen. Das Satellitenkontrollzentrum ESA/ESOC in Darmstadt und die hessische Landesregierung haben am 30. August auf einem äußerst erfolgreichen Informationstag 300 Vertretern aus Industrie, Wissenschaft, Verwaltung und Medien die neuen Möglichkeiten von Galileo vorgestellt.

Auf dem rasant wachsenden Weltmarkt für Navigationsdienstleistungen antwortet Europa mit dem eigenen Satellitensystem Galileo. Unter Federführung der Europäischen Union sowie der Europäischen Weltraumorganisation ESA wird es derzeit entwickelt. Mit einem Investitionsvolumen von 3,5 Mrd. Euro gehört Galileo zu den größten und ambitioniertesten Projekten der europäischen Raumfahrt. Das gewaltige Unternehmen wird aber bei allen optimistischen Prognosen nur dann ein Erfolg, wenn zeitgleich zur Inbetriebnahme der 30 Satelliten sowie des zugehörigen Bodensegments attraktive Anwendungen in großer Breite angeboten werden. Bei Galileo hoffen Experten auf ein Umsatzpotential von 90 Mrd. Euro und 100.000 neue Arbeitsplätze in Europa, in den nächsten 15 Jahren.

Machbarkeitsstudie zu Gründerzentrum für Galileo-Anwendungen

Hier sind Wissenschaft und Industrie gefragt, in den nächsten Jahren wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln. Und das Interesse ist groß. Gaele Winters, ESA-Direktor für Operationen und Infrastruktur konnte zum Abschluss des Informationstages am ESOC feststellen, dass die Botschaft der Veranstaltung auf fruchtbaren Boden gefallen ist. "Die eingeladenen hessischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen sehen große Chancen, an den neuen Möglichkeiten des Galileo-Navigationssystems zu partizipieren." erklärt Gaele Winters. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen werden sich mit der Schaffung neuer Produkte und Navigations-Dienstleistungen zukunftssichere Märkte erschließen.

Zur Unterstützung solcher Firmen, bei denen es sich überwiegend um Ausgründungen aus Universitäten oder Neugründungen handeln wird, soll eine Machbarkeitsstudie für ein Gründerzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft des ESOC erstellt werden. Das Zentrum – „neudeutsch“ auch als Inkubator bezeichnet – kann den ansiedlungswilligen Firmen Büros, technische Infrastruktur, Rechtsberatung, Risikokapital und den privilegierten Zugang zu den Experten des ESOC und der ESA bieten. Schwerpunkt der Förderung werden zunächst die Galileo-Anwendungen sein. Das Betätigungsfeld könnte auch die Entwicklung neuer Techniken für ESA-Bodenstationen und Kontrollsysteme umfassen sowie später neue Lösungen für das ESA/EU-Programm GMES (Global Monitoring for Environment and Security) und das ESA-Explorationsprogramm (ehem. Aurora).

Aber auch das ESOC selbst kann von einem derartigen Gründerzentrum profitieren, lassen sich doch in enger Zusammenarbeit neue Technologien für das weltweite Netzwerk von Bodenstationen für zukünftige ESA-Missionen erarbeiten.

Gaele Winters schlägt vor, für die Erarbeitung der Machbarkeitsstudie eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Vertretern der ESA, der Landesregierung Hessens sowie Industrie- und Universitätsvertretern zu gründen, so dass alle Beteiligten von Anfang an ihre Kompetenz einbringen können.

Ministerpräsident Koch: Know-how des ESOC nutzen

Mr. Roland Koch, Prime Minister of Hessen
Ansprache von Roland Koch

Die Verantwortlichen der ESA können sich der weiteren Zuwendung der Landespolitik sicher sein. Der Ministerpräsident Hessens, Roland Koch, betonte, dass die Aktivitäten des ESOC die volle Unterstützung der Landesregierung finden: „Das ESOC ist Hessens Tor zum Weltraum und birgt große Chancen für die hessische Wirtschaft. Die moderne Infrastruktur und das Know-how der Mitarbeiter sichern dem ESOC eine Spitzenstellung beim Aufbau und Betrieb des geplanten Satellitennavigationssystems Galileo. Und im Umfeld des Kontrollzentrums hat sich ein beachtliches Potenzial zur Entwicklung satellitengestützter Produkte und Dienstleistungen entwickelt, das es zu nutzen gilt.“ So wird sich in Darmstadt in den nächsten Jahren um das schon seit mehr als drei Jahrzehnten ansässige ESOC ein Kompetenzzentrum für raumfahrtbezogene Produkte und Dienstleistungen, ein hessischer Weltraum-Cluster, bilden. Von diesem Knotenpunkt sollen dann weitere Impulse für Wirtschaft und Wissenschaft ausgehen.

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