Mit europäischen Supertechnologien zum Mars

Künstlerische Darstellung einer ersten Marsbasis
24 Dezember 2002

Roboter der Europäischen Weltraumagentur ESA landen in den nächsten Jahren auf dem Saturnmond Titan, dem Mars und dem Kometen Wirtanen. Noch anspruchsvollere Wundermaschinen von Menschenhand sollen folgen. Im Rahmen des ESA-Programms Aurora haben europäische und kanadische Unternehmen neuartige Technologien für derartige Missionen untersucht. Vom 9.-11. Dezember 2002 wurden die besten Vorschläge den Fachleuten der ESA im ESTEC in Noordwijk präsentiert.

Science Fiction oder Realität?

Die Luke öffnet sich und ein phantastisch anmutendes Wesen in einem weißen Druckanzug kommt zum Vorschein. Nach einem prüfenden Blick auf die fremde Umgebung durch das Helmvisier steigt der Erdling vorsichtig die Leiter seines Landers herunter. Kurze Zeit später erreicht der Besucher von der anderen Welt den Boden und bereitet sich für den "riesigen Schritt" in den unberührten orangefarbenen Sand vor. Es wird der erste Fußabdruck der Menschheit auf dem Mars sein. Die Eroberung des Nachbarplaneten der Erde hat begonnen.

Science Fiction? Zum gegenwärtigen Zeitpunkt: Ja. Aber das Szenario kann 2030 Realität werden.

Um ein derart anspruchsvolles Ziel zu erreichen, hat die ESA das Aurora-Programm in ihre Aktivitäten aufgenommen. Im Rahmen dieses Programms werden neue Technologien, Materialien und Produkte gesucht, die den ewigen Traum des Menschen nach der Besiedlung anderer Himmelskörper Wirklichkeit werden lassen. Dabei werden auch die Fragen der Machbarkeit, des wissenschaftlichen Nutzens und der Finanzierungsmöglichkeiten exotischer Missionen geprüft.

Ausgefallene Ideen sind gefragt

Mit Aurora zu fernen Welten
Mit Aurora zu fernen Welten

Das erste Ziel des Aurora-Programms bestand in der Definition notwendiger Schlüsseltechnologien für die Entsendung von Robotern sowie künftiger Astronauten zur Erforschung des Sonnensystems. Die Aufgabe hatte ein Team von ESA-Experten übernommen. Im Ergebnis wurden folgende elf technologische Hauptlinien ermittelt:

  1. Automatische Navigation, Flugführung, Systemsteuerung und Missionsanalyse
  2. Mikroavioniksysteme
  3. Datenverarbeitung und Kommunikationstechnologien
  4. Atmosphäreneintritt, Abbremsung und Landeverfahren
  5. Schaffung von Lebensräumen für die Astronauten bei langfristigen Aufenthalten
  6. Nutzung von Ressourcen vor Ort (Wasser, Mineralien)
  7. Energiegewinnung
  8. Neue Antriebe
  9. Robotik und neuartige mechanische Systeme
  10. Materialien, Strukturen, Regelung des Wärmehaushalts
  11. Ausrüstungen

Dem folgte am 12. Februar 2002 eine Ausschreibung an kleine und mittlere Unternehmen aus ganz Europa und Kanada. Sie sollten anhand dieser Leittechnologien Vorschläge zu Erkundungsverfahren einreichen. Die europäischen "global player" der Raumfahrt - Astrium, Alcatel und Alenia Spazio - hatten bereits früher Studien zur Eroberung fremder Himmelskörper vorgelegt.

"Wir sind auf der Suche nach wirklich neuen Ideen und Prozessen" erklärte Dietrich Vennemann, Manager für bemannte Missionen des Aurora-Programms, bei der Präsentation der besten Arbeiten im Europäischen Forschungs- und Technologiezentrum (ESTEC) in den Niederlanden. "Wir haben auch Unternehmen in die Arbeit einbezogen, die normalerweise nicht in Raumfahrtaktivitäten involviert sind. Wir erbaten neue Ideen sowie eine Erläuterung des künftigen Potentials ihrer Vorschläge. Außerdem sollten die notwendigen Schritte zur Realisierung erarbeitet werden."

Nur die Besten kommen weiter

Die Resonanz auf die Ausschreibung war erstaunlich. 119 Vorschläge wurden eingereicht. Davon werden 36 im Rahmen von Verträgen mit der ESA weiterentwickelt, 45 kommen auf eine "Warteliste" und sechs werden für andere ESA-Programme genutzt.
Die abschließenden Präsentationen der 36 erfolgreichen Bewerber im ESTEC umfassten ein weites Feld an Themen. Hierzu gehörten beispielsweise:

  • Ultraschallbohrer zur Gewinnung von Bodenproben
  • Heliumgefüllte Ballons zur Erforschung von Atmosphäre und Oberfläche des Mars
  • Aufblasbare Landesysteme
  • Systeme für das automatische Rendezvous von Raumflugkörpern
  • Optionen einer Marsfähre
  • Innovative Brennstoffzellen
  • Ein intelligenter Planer für die Nutzlasten an Bord
  • Zubereitung von Weltraumnahrung
  • Plasmaelektrische Antriebe
  • Biomedizinische Technologien für bemannte Marsmissionen
  • Staubanalysatoren für den Mars

In den kommenden Wochen wollen die Spezialisten der ESA ihre Empfehlungen für die weitere Arbeit abgeben. Die vielversprechendsten Technologien werden dann weiter studiert und zur Einsatzreife gebracht.

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