Begeisterte Kinder im Hauptkontrollraum der ESA in Darmstadt
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Happy Birthday ESOC: Das ESA-Zentrum feiert seinen 50. Geburtstag mit einem großen Straßenfest

13/09/2017 662 views 4 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Über 5000 große und kleine Weltraum-Fans, Bürger und Politiker feierten am 8. September bis in die späte Nacht hinein gemeinsam mit den Beschäftigten und Wissenschaftlern der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA den 50. Geburtstag des Satellitenkontrollzentrums ESOC in Darmstadt. Die „Lange Nacht der Sterne“ wurde eine bunte Mischung aus Straßenfest, Hightech-Show, Musik und Wissenschafts-Vorträgen. Raumfahrt ganz hautnah.

Eindrücke des Events gibt’s in diesem Fotoalbum.

Einmal den Hauptkontrollraum sehen, im Original, nicht nur im Fernsehen. Den Ort erleben, von dem aus die Missionen ins All gesteuert werden oder womöglich mit einem Astronauten wie Thomas Reiter und Reinhold Ewald persönlich sprechen können. Auf diesen Tag haben Gerhard und Ingrid Rilling lange gewartet. Das Paar ist extra aus Tübingen angereist. „Wir wollten schon immer mal das ESOC besichtigen, haben aber bisher nie Karten für eine Besuchertour ergattern können“, erzählen sie. Zur „Langen Nacht der Sterne“ hat es endlich geklappt. Gemeinsam mit der Tochter, die in Darmstadt studiert hat, haben sie drei der 5000 Tickets erstanden, die zum 50.Geburtstag des Europäischen Satellitenkontrollzentrums ESOC vergeben wurden. 

Straßenfest-Stimmung und ESOC-Parcours

 

Die Geburtstagsgäste strömen zu Tausenden. Bereits kurz vor der offiziellen Eröffnung des Festes um 16.30 Uhr bilden sich an diesem Freitagnachmittag Schlangen vor dem Eingang zum ESOC-Gelände. Es wurden Zeitkarten vergeben. Jeweils im 90-Minuten-Takt können Besucher individuell über das normalerweise eingezäunte und streng gesicherte ESOC-Gelände laufen, sich an zahlreichen Infoständen über künftige Mars- und Mond-Missionen oder Satelliten-Navigation informieren, die Kontrollräume und Satellitenmodelle besichtigen oder Raumfahrt-Vorträgen lauschen.

Einen speziellen ESOC-Parcours, einen Wissenschafts-Rundgang, haben die Festorganisatoren für die Besucher entworfen, damit diese sich gut auf dem Areal zurechtfinden und einen Überblick über die Arbeit des ESA-Zentrums erhalten.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und das ESA-Management geben mit bunten Ballons Startschuss zum Besucherrundgang
Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und das ESA-Management geben mit bunten Ballons Startschuss zum Besucherrundgang

Die Robert-Bosch-Straße vor dem ESOC-Gelände ist an diesem Tag für den Durchgangsverkehr gesperrt. Es herrscht Straßenfest-Stimmung. Essenstände und Biertisch-Garnituren sind aufgebaut und auf der großen Hauptbühne laufen bereits die ersten wissenschaftlichen Vorträge. Die Moderation haben Sylvia Kuck vom Hessischen Rundfunk und Lars Hennemann vom Darmstädter Echo übernommen. Hier kann jeder ohne Ticket entlang flanieren, im ESA-Shop nach einem Souvenir stöbern, SCIFI Goodies erstehen, Raumfahrt-Fotos von sich machen lassen oder Getränke bestellen mit so passenden Namen wie „Space Debris“ oder „Satellite-Launcher“. Vor den Toren des ESOC gibt es auch ein umfangreiches Programm für Kinder.

Roboter würfeln mit den Kleinen um die Wette, sie können sich schminken lassen, Ariane-Raketen aus Papier basteln, Rosetta Cartoons malen oder wie die Astronauten im All trainieren. Das begeistert auch die Großen. Mit einer Virtual-Reality-Brille können sie von der Internationalen Raumstation aus einen virtuellen Außenspaziergang im All unternehmen. „Das ist grandios“ – der Vater überlässt die Brille nur ungern seinem Sohnemann, der schon ungeduldig an dessen Jeans zupft. Doch im Rosetta-Dome nebenan wartet schon das nächste virtuelle Highlight, eine Multimedia-Projektion und Reise zum Kometen 67P/ Tschurjumow-Gerassimenko - die weltweit beachtete Kometenjäger-Mission der ESA.

Stolz auf 50 Jahre ESOC

 

„Wir sind mächtig stolz auf unseren 50. Geburtstag“, freut sich ESOC-Zentrumsleiter Rolf Densing bei der offiziellen Eröffnung. „Europa hat viel geschaffen. Die gemeinsame Arbeit ist sehr viel erfolgreicher als das Einzelkämpfertum“, betont Jocelyne Landeau-Constantin, Leiterin der Kommunikationsabteilung des ESOC. Den europäischen Gedanken greift auch Prof. Jan Wörner, Generaldirektor der Weltraumagentur, auf. Das ESOC und die ESA seien als eine gemeinsame Anstrengung Europas zu einer Zeit entstanden, als sich Russland und die USA im Kalten Krieg befanden, sagt er. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier spricht ebenfalls von einer Erfolgsgeschichte. 

Kinder interagieren mit cleveren Robotern des DLR_School_Labs
Kinder interagieren mit cleveren Robotern des DLR_School_Labs

Das Darmstädter Satellitenzentrum sei das Herzstück der ESA, ihr „Maschinenraum“. Ein Juwel des Landes Hessen, das den Wissenschaftsstandort präge. „Was hier geboten wird, ist Weltliga“, so der Ministerpräsident. Die ebenfalls angereiste Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries lobt das ESOC und die Raumfahrt als eine Branche, die Arbeitsplätze schafft und uns „technologisch voranbringt“. Heute gehe nichts mehr ohne Satelliten, betont die Ministerin, und die Zusammenarbeit der Europäer im All klappe oftmals wesentlich besser als auf der Erde, bemerkt sie scherzhaft.

Zu den Gratulanten zählt auch Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch. Er betont, dass das ESA-Zentrum einer der Gründe ist, dass sich Darmstadt heute als Wissenschaftsstadt präsentieren könne. Raumfahrt werde im ESOC schon für die Jüngsten hautnah erlebbar. Er wirbt für ein Besucherzentrum am ESOC, das dem stark steigenden Interesse der Bürger an Weltraumthemen entgegenkomme.

Glückwünsche aus Berlin und von der ISS

Geburtstagsglückwünsche kommen an diesem Tag auch aus der Ferne. Die Bundesregierung schickt Grüße aus Berlin und die Astronauten der Internationalen Raumstation (ISS) senden ein Happy Birthday zur Erde. Der italienische ESA-Astronaut Paolo Nespoli grüßt per Video-Botschaft aus dem Orbit: „Herzlichen Glückwunsch ans ESOC für 50 Jahre erfolgreichen Raumfahrtbetrieb – immer an vorderster Front von neuen Missionen der Erdbeobachtung und der Exploration des Alls!“ so Paolo Nespoli. Gleich zwei deutsche ESA-Astronauten können die Besucher am Freitag live erleben: Thomas Reiter und Reinhold Ewald. 

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ESA-Astronaut Paolo Nespoli grüßt das ESOC von der ISS
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Selfie mit einem Astronauten

 

Im blauen Astronauten-Trainingsoverall mit ESA-Abzeichen ist Reinhold Ewald für alle leicht zu identifizieren. Der Astronaut und heutige Professor an der Universität Stuttgart ist ein gefragter Mann. „Die Missionen der ESA haben einen hohen Identifikationswert“, sagt er. Immer wieder muss er Autogramme geben und für ein Selfie in die Handykamera lächeln. Paul und Ben sind ganz aufgeregt. Der 12-Jährige traut sich erst nicht so recht, aber dann bittet er den Astronauten doch noch um eine Unterschrift. „Für Paul“ schreibt Reinhold Ewald. Stolz zeigt der Junge den Zettel herum. Vater Armin Schmidt ist mit seinen Kindern das erste Mal im ESOC. „Wir wollten endlich mal sehen, wie hier gearbeitet wird“, erzählt er.

Der Hauptkontrollraum des ESOC
Der Hauptkontrollraum des ESOC

„Wir sind tausendmal schon vorbeigefahren, aber das erste Mal nun tatsächlich auf dem Gelände“, berichten die Darmstädter Gunter Kuhn und Marlo Hoß. „Der Kontrollraum ist in natura viel beeindruckender als im Fernsehen“, finden sie. Als die „Lange Nacht der Sterne“ angekündigt wurde, haben sie sich gleich zwei der schnell vergriffenen Karten gesichert. „Die Arbeitskollegen waren richtig neidisch“, erzählt Marlo Hoß. Sie ist Mathematik-Lehrerin. Gut möglich, dass ihre Schüler sie am Montag im Unterricht aushorchen

Ein Rover mit Solarelementen auf dem Rücken und Kameras im Kopf dreht auf dem ESOC-Rundgang seine Runden. Der Mond-Roboter am Infostand der Part-Time Scientists erregt Aufmerksamkeit. „Gleich spricht er uns an“, scherzt Kinga Mallwitz. Mit ihrem Mann Roland steht sie am Stand, wo die ESA ihre Pläne für ein Mond-Labor und ein Mond-Dorf vorstellt. Die Vorstellung, dass von Darmstadt aus Befehle über Millionen von Kilometern ins All gesandt und mit höchster Präzision umgesetzt werden, fasziniert sie. „Das wollten wir unbedingt mal aus nächster Nähe sehen.“ Das Paar ist begeistert, dass die ESA ihre Tore öffnet und sich so offen für die Bürger präsentiert. Ein Anspruch, den auch Generaldirektor Prof. Jan Wörner so vertritt: „Transparenz bei der Arbeit und unserer Daten-Politik. Die Bürger sollen hinter die Gardinen schauen können. Die ESA hat nichts zu verbergen“, betont er. 

Jedi-Ritter und eine zufriedene Bilanz

 

Während auf der Hauptbühne ESA-Wissenschaftler über Erdbeoachtung, Meteoriten, Weltraumwetter oder künftige Mond-Missionen sprechen, senkt sich die Dämmerung über das ESOC-Gelände. Haushohe aufblasbare Astronautenfiguren leuchten hell auf, gelbe, blaue und pinkfarbene Lichter illuminieren die Gebäude. Quietschend fährt R2D2, der kleine Roboter aus dem Film „Star Wars“, durch die Besuchermenge. Die Darsteller der Science-Fiction-Figuren vagabundieren über das Festgelände. Ihr Auftauchen begeistert vor allem die Kinder, die sich mit Darth Vader oder mit den Jedi-Rittern und ihren Leuchtschwertern fotografieren lassen. Ein bisschen Hollywood muss auch in Darmstadt sein. Kommunikationschefin Jocelyne Landeau-Constantin zieht eine zufriedene Bilanz. Sie steht in dem schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift „ESOC 50“ mitten im Gewusel. Die Shirts tragen an dem Tag alle Helfer, damit sie für die Besucher gut zu erkennen sind. Über drei Monate hat Landeaus Team die Jubiläumsveranstaltung vorbereitet: Eine enorme Anstrengung, die sich gelohnt hat. „Ich habe viele entspannte, fröhliche Menschen getroffen. Das Interesse der Besucher ist groß und breit gefächert.“ Selbst lange wissenschaftliche Vorträge sind gut besucht. „Und alle haben gefragt, warum wir das nicht öfter veranstalten“, freut sie sich. 

Bilder von dem Event finden Sie hier: https://www.flickr.com/photos/esa_events/sets/72157685795352161 

Vorträge der Langen Nacht der Sterne als PDF-Präsentation:

Andreas Rudolph - Gaia Milchstrasse
Bettina Hoersch - Sentinel-2
Elsa Montagnon - BepiColombo
Frank Diekmann - Klimawandel
Frank Diekmann - Planet Erde
Gerhard Schwehm - Rosetta
Juan Miro - MegaConstellations
Juan Miro - So funktioniert das
Michael Khan - Gravitationswellen
Paolo Ferri - 50 Jahre ESOC
Reinhold Ewald - Das System ISS
Thomas Reiter - Erste astronautische Marsmission
Werner Enderle - Genaue Bahn

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