Gemeinsames ESA/CNES-Team wird die Galileo-Inbetriebnahme leiten

Die ESA/CNES Mission Controller im Galileo LEOP Kontrollraum
18 Oktober 2011

Wenn die beiden ersten operationellen Galileo-Satelliten diese Woche ihren Orbit einnehmen, wird ein gut eingespieltes Team aus Ingenieuren der ESA und der französischen CNES die Kontrolle übernehmen. Diese Experten werden ihr über Jahrzehnte im Missionsbetrieb erworbenes Fachwissen in die kritische frühe Orbit-Phase einbringen.

Am 20. Oktober werden die ersten beiden Galileo In-Orbit Validation (IOV) Satelliten kurz nach der Trennung von der Fregat-Oberstufe ihrer Sojus-Trägerrakete mit ihren Missionen beginnen.

Wie bei jedem Satelliten markiert die Trennung den Beginn der kritischen Launch and Early Orbit Phase (LEOP), während der das Raumfahrzeug zuerst eine Reihe automatisierter und später auch manuell angeordneter Befehle ausführen muss. Dazu gehören das Ausbreiten und Ausrichten der Solarpanele, um die Stromversorgung sicherzustellen, das Einschalten der Kommunikations- und anderer Bordsysteme und das Einstellen der Anfangskonfiguration. Alles muss zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Reihenfolge stattfinden.

Gemeinsames Team mit jahrzehntelanger Expertise

Auf den Missionsbetrieb (Mission Operations) spezialisierte Ingenieure der ESA und der französischen Weltraumbehörde, Centre National d'Etudes Spatiales (CNES), werden in einem integrierten Team die wichtige LEOP-Phase, die voraussichtlich sieben Tage dauern wird, überwachen und leiten. Diese Ingenieure verfügen über umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Missionskontrolle, Bordsysteme, Flugdynamik und Telekommunikation.

Der gemeinsame ESA/CNES Galileo LEOP Kontrollraum in Toulouse

„Die einzelnen Mitglieder unseres ESA- und CNES-Teams verfügen über jahrzehntelange Erfahrung, die sie durch ihre Mitarbeit an Dutzenden von Starts erworben haben. Wir begannen die gemeinsame Ausbildung 2009 und haben seither reibungslos zusammengearbeitet“, sagt Nigel Head, Teamleiter der ESA, der für das gemeinsame LEOP-Team aus Darmstadt abgestellt ist.

Für den Start der ersten beiden Galileo-Satelliten wird das gemeinsame LEOP-Team von einem eigens im Centre Spatial de Toulouse (CST) der CNES eingerichteten Kontrollraum aus arbeiten, der über Datenverbindungen zu den Bodenstationen und -netzen verfügt, die mit den Satelliten im Orbit kommunizieren werden.

Nachweislicher Erfolg: ESA/CNES-Team für ATV

Das Zentrum in Toulouse beheimatet ein weiteres äußerst erfolgreiches gemeinsames Team von ESA und CNES - das Mission Operations Team für die Automated Transfer Vehicle (ATV) mit Missionen zur Internationalen Raumstation (ISS).

Um für die späteren Starts der aus 30 Satelliten bestehenden Konstellation die intensive Arbeitsbelastung während der LEOP-Phase aufzuteilen, wird das Galileo-LEOP-Team wechselweise die Einrichtungen in Toulouse und beim ESOC, dem Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt, nutzen.

Das ATV-Team in Toulouse: ein weiteres gemeinsames ESA/CNES Team

„Während der LEOP-Phase ist der Kontrollraum 24 Stunden am Tag besetzt. Dabei werden wir uns besonders in den Bereichen Bodenstation-Scheduling, Softwarewartung, Flugdynamik und Netzwerke auf zahlreiche Expertenteams beider Zentren stützen; es ist also sinnvoll, das Kernteam zwischen den beiden Standorten wechseln zu lassen“, erklärt Nigel Head.

Galileo zum Start am 20. Oktober bereit

Am 20. Oktober wird das LEOP-Team den Countdown zum Start der Sojus-Trägerrakete genauestens verfolgen und dem für den Start verantwortlichen Kontrollzentrum in Kourou die GO/NOGO-Bestätigung übermitteln. Der Start ist für 12:34 CEST geplant und die Trennung, mit der im Kontrollraum in Toulouse eine Zeit intensiver Aktivitäten beginnt, wird etwa 3 ½ Stunden später stattfinden.

Die Bodenstation Dongara

„Wir werden äußerst konzentriert darauf warten, dass die Bodenstationen im australischen Dongara und auf den Kerguelen im Indischen Ozean die ersten Signale der Satelliten auffassen. Das Herstellen des Kontakts ist absolut der wichtigste Schritt unserer LEOP-Woche“, sagt Nigel Head.

Im All werden die Satelliten ihr Lageregelungssystem nutzen, um sich zur Sonne hin auszurichten, und automatisch ihre Solarmodule ausfahren. Diesen automatisierten Vorgang wird das Team genauestens überwachen, um bei auftretenden Problemen sofort eingreifen zu können. Sobald dieser Vorgang etwa 70 Minuten nach der Trennung abgeschlossen ist, wird das Team kräftig durchatmen und mit den umfangreichen Einschalt- und Verifikationsarbeiten beginnen.

Routinebetrieb in Oberpfaffenhofen und Fucino

Nach Abschluss der kritischen LEOP-Phase werden die Satelliten an das vom DLR betriebene Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen in der Nähe von München übergeben, das für den Routinebetrieb verantwortlich sein wird. Der Betrieb der Satellitennutzlasten, die Navigationsdienste zur Verfügung stellen, wird die Aufgabe des Kontrollzentrums Fucino in der Nähe von Rom sein, das von Telespazio betrieben wird.

ESOC, Darmstadt, is home to ESA's mission operations team
ESOC: Heimatzentrum der ESA-Betriebsexperten

„Spezialisten für die Missionskontrolle der ESA und CNES arbeiten im Rahmen von ATV-Missionen bereits seit Jahren zusammen. Nun arbeiten wir gemeinsam an Galileo und trotz aller kulturellen und operationellen Unterschiede verstehen wir uns wirklich als ein Team, mit jahrelanger Erfahrung auf beiden Seiten“, sagt Claude Audouy von CNES, verantwortlich für den Galileo-Betrieb in Toulouse.

„Dieses gemeinsame CNES/ESOC-Team steht stellvertretend für die äußerst enge Integration der Ingenieure unserer beiden Organisationen“, sagt Dr. Manfred Warhaut, Bereichsleiter Missionsbetrieb bei der ESA in Darmstadt. „Ich bin sehr stolz auf ihre Ausbildung, ihre Zusammenarbeit und ihr Engagement; sie unterstützen die Galileo-Starts mit dem umfangreichen Fachwissen zum Betrieb von Satelliten, über das CNES und ESA verfügen.“

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