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Faces of Ariane 6: Jörn
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Faces of Ariane 6: Jörn Bellermann

03/03/2026 77 views 6 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Es braucht Tausende von Leuten, um ein komplettes Startsystem, das der Schwerkraft der Erde entkommen kann, zu entwerfen, zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben. Hier stellen wir Personen aus ganz Europa vor, die im Bereich Raumtransport arbeiten, um den Zugang ins All zu sichern.

Wie heißen Sie und was ist Ihre Aufgabe?

Jörn Bellermann (links) in der Testanlage
Jörn Bellermann (links) in der Testanlage

Mein Name ist Jörn Bellermann und ich bin Leiter der Abteilung „Propulsion Test Facilities and Services” (Antriebsprüfanlagen und -dienstleistungen). 

Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass unsere Antriebsprüfstände gewartet werden, damit wir jederzeit Tests durchführen können. Dazu gehören Abnahmeprüfungen sowie Entwicklungs- und Qualifizierungsprüfungen. 

Wir warten Prüfstände, die auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden und unterschiedliche Größen haben. Die kleinsten sind für die Prüfung kritischer Komponenten ausgelegt. Wir haben auch Möglichkeiten zur Prüfung von Antriebsaggregaten und Triebwerken, und einige Prüfstände sind sogar für die Durchführung von Stufentests ausgelegt. 

Wie lange sind Sie schon im Bereich Raumtransport tätig und was waren/sind Ihre Aufgaben?

Arbeit am Ariane-6-Booster
Arbeit am Ariane-6-Booster

Ich bin jetzt seit 30 Jahren im Bereich Raumtransport tätig und hatte glücklicherweise die Möglichkeit, mit verschiedenen Bereichen (Betrieb, Produktion, Entwicklung, Programmmanagement, Systemtechnik und Qualität) in Kontakt zu kommen. Der europäische Weltraumbahnhof in Kourou hat in meiner Karriere eine zentrale Rolle gespielt. Kourou ist einfach der Ort, an dem alles passiert und an dem man die Trägerrakete hautnah erleben kann. Dort versteht man, wie Trägerraketen funktionieren. 

Ich habe für Thales Alenia Space, Arianespace und Astrium/ArianeGroup gearbeitet und bin im August 2022 zur ESA gekommen. 

Ich habe als Fluidic Operations Manager in Kourou angefangen, wo ich an mehr als 40 Starts von Ariane 4 und 5 mitgearbeitet habe. Danach wurde ich Systemingenieur für die Oberstufe (ESC-A) der Ariane 5. Später wurde ich Programmmanager für Heliumtanks und zivile Wiedereintrittsprojekte. Es folgten die Positionen als Head of Quality in Development, Deputy Head of Ground Infrastructure Division und, als meine letzte Position vor meiner jetzigen, Head of Integration in Kourou, wo ich mich mit Integrationsvorgängen für Ariane 5, kombinierten Tests für Ariane 6 sowie der Integration von Vega- und Sojus-Nutzlasten befasste.

Was sind Ihr Bildungshintergrund und Ihre vorherige Berufserfahrung? Wie sind Sie zur Raumfahrt gekommen?

Ich habe einen Abschluss in Luft- und Raumfahrttechnik der Technischen Universität München. 

Um Ihnen zu erklären, wie ich zur Raumfahrt gekommen bin, muss ich Ihnen nur eines sagen: Perry Rhodan war meine Lieblingsbuchreihe!

Was war der bemerkenswerteste oder unvergesslichste Moment während Ihrer Zeit in der Raumfahrt?

Jörn Bellermann mit Kollegen
Jörn Bellermann mit Kollegen

Während des Befüllens des Wassertorus der L33-Stufe in ZL2 hat mich ein Kaiman ein bisschen genervt, weil er immer wieder nach den Fröschen in meiner Nähe schnappen wollte. 

Oder mein Peugeot 106, der auf dem Weg vom Booster-Teststand (BEAP) im europäischen Weltraumbahnhof nach Hause von einer Anakonda angehoben wurde, als ich versehentlich über sie rollte. Das Auto wurde von der Anakonda um mehrere Dutzend Zentimeter verschoben.

Was ist das Beste an Ihrem Job?

Ich denke, das Beste an meinem heutigen Job ist, dass er mir die Möglichkeit gibt, unsere Gesellschaft ein kleines Stück weiter voranzubringen. Wir können neue Technologien fördern, aber auch Nachhaltigkeitsmaßnahmen, die aus meiner Sicht ein Muss für unseren Planeten Erde sind.

Was machen Sie außerhalb Ihrer Arbeit, um sich zu entspannen, was sind Ihre Hobbys und was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Gruppenfoto
Gruppenfoto

Ich interessiere mich für alles, was mit Sport zu tun hat, wie Tauchen, Laufen oder Skifahren. Aber ich fotografiere auch gerne die Tierwelt überall auf der Welt, über und unter Wasser. Die Ergebnisse werden manchmal in Fotobüchern zusammengestellt. 

Haben Sie einen Rat für jüngere Generationen, die sich für die Weltraumforschung interessieren?

Die Weltraumforschung steht erst am Anfang. Mein Rat an zukünftige Generationen lautet: Denkt groß und sucht nach neuen Wegen. Bleibt dran, auch wenn erfahrenere Leute euch sagen, dass es nicht funktionieren wird. Es könnte doch funktionieren! 

Es ist wie damals, als ich zufällig ein Verfahren für die Befüllung mit PAL-Treibstoff entdeckt habe, das eine Leistungssteigerung der Ariane 4 um etwa 100 kg ermöglichte. Ich habe einfach weitergeforscht und glücklicherweise festgestellt, dass der Füllstand der 2 oder 4 Flüssigkeitsbooster aufgrund der thermischen Eigenschaften des Treibstoffs heterogen war. Ich habe einfach zufällig dort gesucht, wo andere nicht gesucht haben. 

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Startaufnahmen von Ariane 6: Ein Start, viele Perspektiven
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