Flight Ticket Initiative: Zwei weitere Missionen mit RFA One
In brief
- Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat nur fünf Monate nach der ersten Vergaberunde einen weiteren Startdienstvertrag im Rahmen der Flight Ticket Initiative unterzeichnet.
- Die Europäische Kommission und die Europäische Weltraumorganisation ESA bieten Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, ihre Technologien im Weltraum zu demonstrieren.
- Beide Missionen sollen mit der Trägerrakete RFA One der Rocket Factory Augsburg gestartet werden.
- Die Lurbat-Mission wird unter anderem neue Antriebstechniken testen.
- Eine zweite Mission umfasst zwei CubeSats, die fünf von der Europäischen Kommission ausgewählte Experimente mitführen werden.
In-depth
Die Flight Ticket Initiative ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der Europäischen Kommission. Sie ermöglicht es europäischen Unternehmen und Institutionen, neue Produkte und Anwendungen im Weltraum zu testen. Durch offenen Wettbewerb und Zugang zu Startdiensten für europäische Missionen – beginnend mit Missionen zur In-Orbit-Demonstration und Validierung – fördert die Initiative neue europäische Trägersysteme.
Das Testen von Prototypen im Weltraum liefert wertvolle Erkenntnisse für Forschungsprojekte und erschließt das Marktpotenzial kommerzieller Anwendungen. Diese Missionsarten werden als In-orbit-Demonstrations- oder Validierungsmissionen bezeichnet (In-orbit Demonstration/Validation, IOD/IOV), da sie darauf abzielen, Hardware, Dienstleistungen und Satellitennutzlasten im Weltraum zu demonstrieren oder zu validieren.
Missionen mit Rocket Factory Augsburg
Mit der Unterzeichnung der Verträge zwischen der ESA und Rocket Factory Augsburg (RFA) werden zwei weitere Missionen im Rahmen der Flight Ticket Initiative mit der Trägerrakete RFA One vom Saxavord Spaceport im Vereinigten Königreich gestartet. Die ESA und die Europäische Kommission haben damit einmal mehr ihr Vertrauen in RFA als zukünftigen Startdienstleister gesetzt.
Lurbat – eine vielseitige Technologiemission
Die Lurbat-Mission wird eine Reihe von Technologiedemonstratoren mitführen und wird von Added Value Solutions mit Sitz in Spanien entwickelt. Lurbat-1 wird Erdbeobachtungsdaten im Weltraum verarbeiten, bevor sie an eine Gruppe spanischer Forschungszentren übertragen werden, wodurch die benötigte Datenübertragungsbandbreite reduziert wird. Der Satellit wird über zwei Antriebssysteme verfügen, um neuartige Technologien zur Bahnregelung kleiner Satelliten zu demonstrieren. Das von URA Thrusters entwickelte ICE-Antriebssystem nutzt Wasser, das durch solarbetriebene Elektrolyse erzeugt und aus dem Satelliten ausgestoßen wird. Das zweite Antriebssystem, entwickelt von Added Value Solutions im Vereinigten Königreich, ist ein Elektrospray-Triebwerk mit porösem Emitter. Es nutzt poröse Materialien zur Erzeugung von Ionen, die dann ausgestoßen werden, um den Satelliten zu bewegen.
Darüber hinaus wird Lurbat über eine mechanische Schnittstelle und Markierungen verfügen, die ein Einfangen im Orbit ermöglichen, um den Satelliten am Ende seiner Lebensdauer ordentlich außer Betrieb zu nehmen. Außerdem wird ein Aktuator aus Formgedächtnislegierung für den Halte- und Freigabemechanismus getestet. Zudem umfasst die Mission einen Demonstrator eines wissenschaftlichen Instruments zur Einzelphotonendetektion. Die Mission ist modular und skalierbar ausgelegt, sodass die Technologie künftig Teil einer Konstellation sein könnte.
Fünf Experimente, zwei Satelliten
Eine zweite Mission sieht den Start von zwei CubeSats vor, die im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA vom spanischen Unternehmen Indra Space entwickelt werden. Die CubeSats werden fünf Experimente mitführen, die von der Europäischen Kommission im Rahmen der Ausschreibung „Horizon Europe IOD/IOV“ ausgewählt wurden:
- Eine Langmuir-Sonde zur Bestimmung von Elektronentemperaturen, Elektronendichte und Ionendichte im Plasma oberhalb der Erdatmosphäre, entwickelt vom Royal Belgian Institute for Space Aeronomy.
- Ein Sternsensor namens Twinkle, der der Orientierung von Satelliten dient, entwickelt von Arcsec in Belgien.
- Ein Gimbal-System für Solararrays zur Positionierung der CubeSat-Solarmodule, entwickelt von Revolv Space in den Niederlanden.
- Ein mechanisch gepumpter Miniatur-Kühlkreislauf, entwickelt von DEMCON Kryoz in den Niederlanden.
- Eine fortschrittliche Nutzlastverarbeitungseinheit von GMV Innovating Solutions in Spanien.
Die beiden Satelliten werden über ein Jahr lang im Orbit betrieben, um Daten aus den Experimenten zu sammeln.
Initiative ergreifen
Die Flight Ticket Initiative fördert den Wettbewerb in der europäischen Raumfahrtindustrie und bietet regelmäßig Möglichkeiten für Startdienstleistungen im Rahmen von IOD/IOV-Missionen und darüber hinaus.
Die Flight Ticket Initiative ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Kommission und der Europäischen Weltraumorganisation ESA im Rahmen des Programms „Boost!“, das die Starts für das IOD/IOV-Programm der Europäischen Kommission sicherstellt.
Regelmäßig werden neue Ausschreibungen veröffentlicht. Die nächste Einreichungsfrist ist der 15. März 2026. Weitere Details sind auf der Website der ESA zum Thema „Space Transportation for Business“ zu finden. Die offiziellen Ausschreibungen sowie die zugehörigen Einreichungsunterlagen sind auf der Website der Europäischen Kommission veröffentlicht.
Über die Europäische Kommission
Im Bereich Raumfahrt verwaltet die Europäische Kommission das EU-Weltraumprogramm, das unter anderem die Systeme Galileo, Copernicus sowie die zukünftige IRIS²-Konstellation (eng. Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite) umfasst. Darüber hinaus führt sie weitere Initiativen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie durch. Eine davon ist die IOD/IOV-Initiative, mit der die Europäische Kommission der Industrie, Universitäten und Wissenschaftlern die Möglichkeit bietet, ihre Innovationen oder Experimente im Weltraum zu demonstrieren oder zu validieren. Die Experimente können als in andere Satelliten zu integrierende Nutzlasten oder als komplette flugfertige Satelliten durchgeführt werden. Die angebotenen Dienstleistungen umfassen unter anderem die Integration auf einem Satelliten, den Start sowie den Betrieb im Orbit bis zu einem Jahr. Die von der Europäischen Kommission finanzierte Initiative wird von der ESA umgesetzt. Bislang wurden mehr als 90 Projekte ausgewählt, von denen einige bereits gestartet wurden.