Greta-Raketentriebwerk absolviert erste Testreihe
In brief
- Das neue europäische Raketentriebwerk Greta hat eine Reihe von Heißlauf-Tests absolviert und dabei einen stabilen Betrieb, Abschaltungen und mehrere Neustarts auf einem mobilen Prüfstand demonstriert, der von ArianeGroup für die Europäische Weltraumorganisation am Standort Trauen in Deutschland entwickelt wurde.
- Greta wird mit nachhaltigeren Treibstoffen betrieben als herkömmliche Raketentriebwerke derselben Schubklasse.
- Das Triebwerk könnte in Mondlandefähren oder in großen Kickstufen wie dem Ariane-6-Zusatzmodul Astris zum Einsatz kommen.
In-depth
Das Greta-Projekt, das Teil des Future Launchers Preparatory Programme (FLPP) der Europäischen Weltraumorganisation ist, entwickelt einen Raketenantrieb mit einer Schubkraft von 5 kN, der mehrmals zuverlässig neu gestartet werden kann.
Greta verwendet Wasserstoffperoxid und Ethanol als Treibstoffe, eine nachhaltigere Alternative mit einem geringeren CO2-Fußabdruck im Vergleich zu Monomethylhydrazin-Treibstoff, der von den meisten herkömmlichen Raketenantrieben in diesem Schubbereich verwendet wird.
Test erfolgreich
Greta wurde von Juli bis November 2025 mehrfach gezündet und zeigte einen stabilen Betrieb, einschließlich kontrollierter Abschaltungen. Während der Testreihe lief der Motor jeweils über 40 Sekunden lang ununterbrochen.
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Greta wurde auf einem neuen, kostengünstigen und flexiblen mobilen Prüfstand mit Instrumenten getestet, die unter anderem Daten zu Druck und Temperatur messen, welche zur weiteren Optimierung des Triebwerks verwendet werden sollen.
Laserschmelzverfahren
Die 30 cm hohe Brennkammer von Greta wurde durch das Schmelzen von Metallpulvern mit einem Laser schichtweise aufgebaut. Diese Technik ermöglicht die Herstellung komplexer Formen, die mit herkömmlichen Verarbeitungsverfahren nur schwer zu realisieren wären. So wird das Greta-Triebwerk beispielsweise gekühlt, indem Flüssigkeit durch komplexe Kanäle geleitet wird, die so nah wie möglich an der Innenwand der Kammer eingebaut sind, die mit den heißen – über 2000 °C – Verbrennungsgasen in Kontakt steht.
Wie geht es weiter?
Die ArianeGroup in Ottobrunn, Deutschland, ist der Hauptauftragnehmer für Greta. Diese Tests waren Teil eines 3-Millionen-Euro-Auftrags zur Erweiterung des Fachwissens über den Bau und Betrieb von Wasserstoffperoxid-Triebwerken dieser Schubklasse. Dieser Triebwerkstyp könnte in Mondlandefähren oder in sog. Kickstufen wie Astris eingesetzt werden, die für die europäische Ariane-6-Rakete entwickelt wird.
Am 6. Februar 2026 wurde die nächste Phase mit Arianegroup eingeleitet, um Greta weiter zu verbessern. Dabei wurden alle Erkenntnisse aus der Testkampagne und anderen Arbeitsschritten genutzt, um einen Entwurf für ein flugtaugliches Triebwerk zu erstellen. Für diese nächste Phase des Projekts werden die folgenden Subunternehmen Teile für den flugtauglichen Entwurf liefern: Safran Aero Boosters in Belgien, das Institut für Luftfahrt in Polen und InPraise Systems aus der Tschechischen Republik.
Die nächste Entwicklungsstufe von Greta wird Ende 2027 auf demselben mobilen Prüfstand in Trauen getestet werden.