Startschuss für die European Launcher Challenge: Erste Verträge unterzeichnet
In brief
- Die ersten Verträge für die „European Launcher Challenge“ wurden unterzeichnet.
- Die Initiative der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) erweitert das Angebot an Startdiensten und sorgt für einen robusteren Zugang Europas zum Weltraum.
- Nach einer umfassenden Bewertung aller eingereichten Vorschläge leitet das Unterzeichnen der Verträge die Umsetzung der „European Launcher Challenge“ ein. Die Unternehmen erhalten damit Zugang zu Fördermitteln und fachlicher Begleitung der ESA beim Aufbau und der Optimierung neuer Startdienste.
In-depth
Die ersten Verträge im Rahmen der „European Launcher Challenge“ zwischen der ESA und Trägerdienstleistern wurden unterzeichnet. Die „European Launcher Challenge“ ist eine Initiative der ESA, um das Angebot an europäischen Trägerdiensten zu erweitern und den Zugang Europas zum Weltraum robuster zu gestalten.
Die Verträge ermöglichen es den Challengern, beim Erreichen von Meilensteinen Mittel zu sichern und freizugeben. Jedes Angebot wurde von einem ESA-Bewertungsgremium geprüft, das die finanziellen und technischen Vorschläge sowie den Fortschritt der Unternehmen unter die Lupe nahm.
Die Challenger
Rocket Factory Augsburg (RFA) mit Sitz in Augsburg entwickelt ihre dreistufige Trägerrakete RFA One, die von einer Startrampe in SaxaVord im Vereinigten Königreich starten soll. Mit einer Höhe von rund 30 m und einem Durchmesser von 2,15 m zielt die RFA One in ihrer aktuellen Konfiguration auf eine Nutzlastkapazität von bis zu 500 kg in einen sonnensynchronen Orbit in 500 km Höhe ab. Der Vertrag mit RFA beläuft sich auf 186,9 Millionen Euro und wird überwiegend von Deutschland finanziert, mit einem Beitrag des Vereinigten Königreichs.
Das spanische Unternehmen PLD Space hat 2023 seinen Technologiedemonstrator, die Rakete Miura 1 von Spanien aus gestartet und nutzt sie als Grundlage für die Entwicklung der Miura 5 sowie der zugehörigen Infrastruktur. Miura 5 soll vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana starten und ist darauf ausgelegt, Nutzlasten von bis zu 540 kg in einen sonnensynchronen Orbit zu befördern. PLD Space plant, für Miura 5 erweiterte Fähigkeiten zu entwickeln, um institutionelle und kommerzielle Missionen zu bedienen, die eine größere Nutzlastkapazität und Reichweite erfordern. Der Vertrag mit PLD Space beläuft sich auf 158,9 Millionen Euro und wird überwiegend von Spanien finanziert, mit einem Beitrag Deutschlands.
Isar Aerospace mit Sitz in Ottobrunn bei München entwickelt die Trägerrakete Spectrum, die 2025 vom eigenen Startplatz am Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen aus zu ihrem ersten, 30 Sekunden dauernden Flug startete. Die zweistufige Spectrum ist 28 m hoch, 2 m im Durchmesser und soll in ihrer aktuellen Konfiguration mit zehn Triebwerken Nutzlasten von bis zu 1.000 kg in einen niedrigen Erdorbit (LEO) befördern. Die zweite Spectrum-Rakete wird derzeit für den Start am Weltraumbahnhof Andøya vorbereitet, einschließlich der Nutzlasten, die beim Qualifikationsflug in den Orbit gebracht werden sollen. Der Vertrag mit Isar Aerospace beläuft sich auf 197,8 Millionen Euro und wird überwiegend von Deutschland finanziert, mit Beiträgen Österreichs und Norwegens.
Der Vergabeprozess mit MaiaSpace steht kurz vor dem Abschluss und soll in den kommenden Wochen fortgesetzt werden. Sobald der Vertrag unterzeichnet ist, veröffentlicht die ESA ein weiteres Update.
Ab in den Orbit!
Mit der Unterzeichnung der Verträge wird die zweite Phase der Challenge abgeschlossen, in der die ausgewählten Unternehmen ihre Vorschläge bis April 2026 einreichen konnten. Diese wurden von einem ESA-Bewertungsgremium geprüft, wobei Kriterien wie Geschäftsmodell, technische Qualität, Ressourcen, Zeitplan und Einhaltung der Vorgaben im Mittelpunkt standen.
Die European Launcher Challenge verlangt von den Startdienstleistern zunächst, bis 2028 einen Orbitalstart zu erreichen, um ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.
„Dieser Meilenstein ist der Startschuss für die European Launcher Challenge und fördert den Wettbewerb unter den europäischen Anbietern von Trägerraketen“, sagt Géraldine Naja, ESA-Direktorin für Space Transportation. „Mit dieser Förderung unterstützt die ESA den Aufbau europäischer Startfähigkeiten und trägt dazu bei, Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und das Angebot an Startdiensten für institutionelle und kommerzielle Kund:innen zu erweitern.“
„Mit diesen Verträgen macht die ESA aus Ambition konkretes Handeln. Die ESA hat die Challenge ins Leben gerufen und die Voraussetzungen geschaffen, damit neue europäische Anbieter von Trägerraketen sich weiterentwickeln und wachsen können“, sagt Lucia Linares, ESA-Leiterin für Strategie und Trägerraketen im Bereich Space Transportation. „Jetzt liegt es an den Challengern, zu beweisen, dass sie zuverlässige Startdienste für Europa liefern und im Wettbewerb bestehen können: Der Zugang zum Weltraum ist nicht einfach und niemals garantiert.“