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N° 13–2017: Forderung nach einer nachhaltigen Zukunft im All

24 April 2017

Angesichts von mehr als 750 000 gefährlichen Trümmerteilen, die aktuell die Erde umkreisen, sind dringend koordinierte internationale Maßnahmen erforderlich, um langfristig die Nachhaltigkeit der Raumfahrt zu sichern. So lautet eine der wichtigsten Erkenntnisse der bislang größten europäischen Konferenz über Weltraumschrott.

„Wir brauchen eine koordinierte globale Lösung für ein letztlich globales Problem, das Satelliten betrifft, die für uns alle im Einsatz sind“, erklärte Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, bei einem Pressegespräch am Abschlusstag der Konferenz in Darmstadt.

ESA-Generaldirektor Jan Wörner appellierte an die Beteiligten des Raumfahrtsektors, Schrott in der Erdumlaufbahn möglichst zu vermeiden. Dabei spielt die Entwicklung und Umsetzung des ESA-Programms zur Erfassung der Weltraumlage (Space Situational Awareness oder SSA), das auf der letzten ESA-Ministerratstagung 2016 beschlossen wurde, eine entscheidende Rolle.

„Um innovative Dienste für die Bürger und künftige Entwicklungen im All zu ermöglichen, müssen wir jetzt zusammenarbeiten, damit die Raumfahrt wirtschaftlich sinnvoll bleibt. Wir müssen den Traum von der künftigen Exploration des Weltraums lebendig erhalten“, betonte er.

Die Forderung nach einer internationalen Zusammenarbeit erfolgte am letzten Tag der Europäischen Konferenz über Weltraumschrott, einem Treffen von mehr als 350 Vertretern aus Wissenschaft, Forschung und Industrie sowie von Raumfahrtagenturen weltweit. Die Konferenz fand im Missionskontrollzentrum der ESA statt, wo das Büro für Weltraumtrümmer der ESA und das SSA-Programm angesiedelt sind.

Die Ergebnisse der einwöchigen Konferenz wurden in Anwesenheit von Ministerin Zypries, die auch die Luft- und Raumfahrtbeauftragte der Bundesregierung ist, und Generaldirektor Wörner den Medien vorgestellt. Präsentiert wurden sie von leitenden Mitarbeitern der ESA und Vertretern der nationalen Raumfahrtagenturen Italiens, Frankreichs, Deutschlands und des Vereinigten Königreichs sowie des Ausschusses für Weltraumforschung und der  Internationalen Akademie für Astronautik.

Risiko Weltraumschrott

Neben den jüngsten Ergebnissen der Trümmerforschung, insbesondere zur sicheren Entsorgung ausgedienter Satelliten und Raketenstufen, wurden auch die ungewissen Herausforderungen der von kommerziellen Betreibern vorgesehenen sogenannten Mega-Konstellationen thematisiert.

„Nur rund 60 % der Satelliten, die nach den aktuellen Richtlinien am Ende ihrer Mission beseitigt werden sollten, werden tatsächlich ordnungsgemäß entsorgt“, so Holger Krag, Leiter des Büros für Weltraumtrümmer bei der ESA.

Wissenschaftler bestätigten auch, dass die Zeit drängt, um ausgediente Satelliten aus dem Orbit zu entfernen, bevor sie auseinander fallen und noch mehr Schrott verursachen.

„Dies bedeutet, dass wir dringend Maßnahmen für die aktive Beseitigung von Trümmern ergreifen müssen. Jedes Jahr sollten etwa zehn große ausgediente Satelliten aus dem Orbit entfernt werden und wir sollten möglichst schnell damit beginnen –zu einem späteren Zeitpunkt wäre dies bei weitem nicht so effektiv“, erklärte Dr. Krag.

Unbequeme Tatsachen

Seit 1957 wurden mehr als 5 250 Raketen gestartet, was dazu geführt hat, dass heute mehr als 23 000 von der Erde aus nachverfolgbare Objekte in der Erdumlaufbahn kreisen. Nur rund 1 200 sind funktionierende Satelliten – bei dem Rest handelt es sich um Weltraumschrott, der keinen Zweck mehr erfüllt.

Viele ausgediente Raumfahrzeuge sind explodiert oder auseinandergebrochen, sodass mittlerweile rund 750 000 Teile von mehr als einem Zentimeter Größe und unglaubliche 166 Millionen Teile, die mehr als 1 mm groß sind, um die Erde kreisen.

„Im Orbit entfalten diese Objekte ungeheure relative Geschwindigkeiten und können zu regelrechten Geschossen werden, die funktionierende Infrastrukturen im All beschädigen oder zerstören. Dies könnte Telekommunikations-, Wetter-, Navigations-, Rundfunk- und Klimaüberwachungssatelliten von großer wirtschaftlicher Bedeutung betreffen“, erläuterte Dr. Krag.

Blick auf die Zukunft

Im Rahmen des 2009 gestarteten SSA-Programms werden Software, Technologien und Vorläufersysteme für den Test eines umfassenden europäischen Überwachungsnetzes entwickelt, das die Lieferung unabhängiger Daten zur Raumfahrtinfrastruktur gewährleistet.

Darüber hinaus entwickelt die ESA neue Technologien im Rahmen der Initiative „Sauberer Weltraum“, die eine deutliche Verringerung neuer Weltraumverschmutzung in allen Phasen der Raumfahrtaktivitäten versprechen.

„Der Weltraumschrott bedroht alle funktionierenden Satelliten, unter anderem die europäischen Sentinel-Satelliten und das Satellitennavigationssystem Galileo. Der Verlust der Weltrauminfrastruktur würde die moderne Gesellschaft erheblich beeinträchtigen“, betonte Dr. Krag.

„Es wurde überzeugend dargelegt, dass die nachhaltige Nutzung des Weltraums gefährdet und der Status quo offensichtlich nicht mehr akzeptabel ist. Wir müssen sofort mit der Beseitigung ausgedienter Satelliten beginnen.“

Für weitere Hintergrundinformationen siehe

http://www.esa.int/Our_Activities/Operations/Space_Debris/International_consensus_on_debris_threat

Über die ESA

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA), Europas Tor zum Weltraum, ist eine 1975 gegründete zwischenstaatliche Organisation, deren Aufgabe darin besteht, europäische Raumfahrtkapazitäten zu entwickeln und sicherzustellen, dass die Investitionen in die Raumfahrt den Bürgern in Europa und anderswo zugutekommen.

 

Die ESA hat 22 Mitgliedstaaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn und das Vereinigte Königreich. Slowenien ist assoziierter Mitgliedstaat.

 

Außerdem arbeitet die ESA förmlich mit sechs EU-Mitgliedstaaten zusammen. Im Rahmen eines Kooperationsabkommens nimmt auch Kanada an bestimmten ESA-Programmen teil.

 

Dank der Koordinierung der Finanzressourcen und Kompetenzen ihrer Mitgliedstaaten kann die ESA Programme und Tätigkeiten durchführen, die weit über die Möglichkeiten eines einzelnen europäischen Landes hinausgehen. Des Weiteren arbeitet sie eng mit der EU bei der Verwirklichung der Programme Galileo und Copernicus und mit EUMETSAT bei der Entwicklung von Meteorologiemissionen zusammen.

 

Die ESA entwickelt Raumfahrzeugträger, Satelliten und Bodenanlagen, um sicherzustellen, dass Europa bei Raumfahrtvorhaben weltweit an der Spitze bleibt.

 

Sie entwickelt und startet Erdbeobachtungs-, Navigations-, Telekommunikations- und Astronomiesatelliten, schickt Raumsonden in entlegene Regionen des Sonnensystems und beteiligt sich an der bemannten Exploration des Weltraums. Außerdem führt sie ein umfangreiches Anwendungsprogramm zur Entwicklung von Erdbeobachtungs-, Navigations- und Telekommunikationsdiensten durch.

Mehr über die ESA: www.esa.int

For further information:

ESA-Referat Medienbeziehungen

Email: media@esa.int

Tel: +33 (0)1 53 69 72 99