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Biomass hebt ab
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Biomass zur Auswertung des Waldkohlenstoffs gestartet

29/04/2025 152 views 1 likes
ESA / Space in Member States / Austria

Der bahnbrechende ESA-Satellit Biomass, der beispiellose Einblicke in die Wälder der Welt und ihre entscheidende Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf liefern soll, ist erfolgreich gestartet. Der Satellit hob am 29. April um 11:15 Uhr MESZ (06:15 Uhr Ortszeit) an Bord einer Vega-C-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana, ab.

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Die Biomass-Mission startet auf Vega-C
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Weniger als eine Stunde nach dem Start trennte sich Biomass von der Oberstufe der Trägerrakete. Um 12:27 Uhr MESZ empfingen die Flugingenieure im Europäischen Raumflugkontrollzentrum der ESA in Deutschland das erste wichtige Signal, das über die Bodenstation Troll in der Antarktis übermittelt wurde – ein klares Zeichen dafür, dass Biomass im Orbit wie erwartet funktioniert.

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Biomass trennt sich von Vega-C
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In den kommenden Tagen werden die Flugingenieure die sogenannte Start- und frühe Orbitphase durchführen und dabei gründlich prüfen, ob alle Systeme einwandfrei funktionieren.

Diese kritische Phase beinhaltet auch eine Reihe komplexer Manöver, um den 12 Meter durchmessenden Gitterreflektor des Satelliten, der an einem 7,5 Meter langen Ausleger befestigt ist, auszufahren und zu spannen. Nach Abschluss dieser Phase wird Biomass in das Portfolio der bahnbrechenden Missionen aufgenommen, die vom ESA-Missionskontrollzentrum gesteuert werden.

Biomass-Missionskontrollteam
Biomass-Missionskontrollteam

Die Biomass-Mission, die als erste ein P-Band-Synthetic-Aperture-Radar (SAR) im All nutzt, soll wichtige Informationen über den Zustand und die Veränderung der Wälder liefern und unser Verständnis ihrer Rolle im Kohlenstoffkreislauf vertiefen.

Simonetta Cheli, Direktorin für Erdbeobachtungsprogramme bei der ESA, erklärte: „Ich möchte allen, die an der Entwicklung und dem Start dieser außergewöhnlichen Mission beteiligt waren, meine Glückwünsche aussprechen. Biomass reiht sich nun in unsere Familie der Earth Explorers ein – Missionen, die kontinuierlich bahnbrechende Entdeckungen ermöglichen und unser wissenschaftliches Verständnis des Erdsystems erweitern. Mit Biomass sind wir bereit, neue, entscheidende Daten darüber zu sammeln, wie viel Kohlenstoff in den Wäldern der Welt gespeichert ist – und wichtige Wissenslücken im globalen Kohlenstoffkreislauf und letztlich im Klimasystem zu schließen.“

Hinter den Bäumen den Holz erkennen
Hinter den Bäumen den Holz erkennen

Wälder spielen eine zentrale Rolle im Kohlenstoffkreislauf der Erde, da sie große Mengen Kohlendioxid (CO₂) absorbieren und speichern und so zur Regulierung der globalen Temperatur beitragen. Oft als „grüne Lungen der Erde“ bezeichnet, nehmen sie jährlich rund 8 Milliarden Tonnen CO₂ auf. Durch Abholzung und Degradation – insbesondere in tropischen Regionen – wird jedoch auch ein erheblicher Teil des gespeicherten Kohlenstoffs wieder freigesetzt, was den Klimawandel zusätzlich verschärft.

Eine der größten Herausforderungen für Wissenschaftler:innen und politische Entscheidungsträger:innen ist der Mangel an genauen Daten darüber, wie viel Kohlenstoff Wälder speichern und wie sich diese Bestände durch steigende Temperaturen, höhere CO₂-Konzentrationen und anthropogene Landnutzungsänderungen verändern.

Biomass auf dem Weg in die Umlaufbahn
Biomass auf dem Weg in die Umlaufbahn

Biomass ist der erste Satellit, der mit einem P-Band-Radar mit synthetischer Apertur ausgestattet ist. Dieses Signal kann Baumkronen durchdringen und Stämme sowie dickere Äste erfassen – jene Teile der Bäume, in denen der meiste Kohlenstoff gespeichert ist. Aus diesen Messungen der Waldstruktur können Wissenschaftler:innen die Kohlenstoffmenge abschätzen – das zentrale Ziel der Mission.

Die Daten von Biomass werden die Unsicherheiten bei der Abschätzung von Kohlenstoffvorräten und -flüssen deutlich verringern, auch im Hinblick auf Landnutzungsänderungen, Waldverluste und Wiederbewaldung.

Über Biomass

Die ESA-Mission Biomass Forest nutzt fortschrittliche Weltraumtechnologie, um neue Daten über Wälder und deren Veränderungen zu liefern. Sie verbessert unser Verständnis der Rolle von Wäldern im Kohlenstoffkreislauf und im globalen Klima.

Das P-Band-Radar kann Wolken und Baumkronen durchdringen und Signale von Waldelementen zurückstreuen. Diese liefern Informationen über Biomasse und Höhe der Bäume. Darüber hinaus verbessert die Mission auch unser Wissen über Lebensraumverluste und deren Auswirkungen auf die Biodiversität.

Die Daten können außerdem zur Kartierung der Untergrundgeologie in Wüsten, zur Analyse von Eisstrukturen und zur Erfassung der Topografie von Waldböden genutzt werden.
Der Satellit wurde unter Leitung von Airbus UK von über 50 Unternehmen entwickelt.

Über Vega-C

Die europäische Trägerrakete Vega-C kann Nutzlasten von bis zu 3300 Kilogramm ins All transportieren, darunter kleine Wissenschafts- und Erdbeobachtungssatelliten. Mit einer Höhe von 35 Metern und einem Startgewicht von 210 Tonnen erreicht sie dank drei Feststoffstufen die Umlaufbahn. Die vierte Stufe mit Flüssigtreibstoff sorgt für die präzise Positionierung der Satelliten.
Vega-C ist die weiterentwickelte Version der Vega-Raketenfamilie – mit höherer Leistung, größerem Nutzlastvolumen und gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit.

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