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Number of objects will skyrocket - 2026 Space environment report
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Der ESA Space Environment Report 2026

14/09/2026 0 views 0 likes
ESA / Space in Member States / Austria

In brief

Die Erdumlaufbahnen sind eine begrenzte Ressource. Manche Orbits sind bereits überfüllt und zunehmend von gefährlichen, sich schnell bewegenden Satelliten- und Raketenteilen durchzogen, die unsere Zukunft im Weltraum bedrohen. 

Seit 2017 veröffentlicht das Space Debris Office der ESA jährlich den Space Environment Report, um einen transparenten Überblick über die weltweiten Raumfahrtaktivitäten zu geben und zu bewerten, wie wirksam internationale Maßnahmen zur Schrottvermeidung die langfristige Nachhaltigkeit der Raumfahrt verbessern. 

Im Bericht werden ausschließlich vergangene und laufende Aktivitäten berücksichtigt, um eine solide Datenbasis für Zukunftsprognosen zu gewährleisten; Projekte, die sich noch in der Startvorbereitung befinden, bleiben unberücksichtigt. 

Im Folgenden ein Überblick über den Space Environment Report 2026, der auf Daten bis Ende 2025 basiert. 

  • Zahl und Umfang kommerzieller Satellitenkonstellationen nehmen weiterhin jedes Jahr zu. 
  • Zu wenige Satelliten verlassen stark überfüllte Orbits am Ende ihrer Lebensdauer, wodurch das Kollisionsrisiko wächst. 
  • Im Schnitt treten täglich mehr als drei intakte Satelliten oder Raketenkomponenten wieder in die Erdatmosphäre ein. Gleichzeitig werden täglich zehn neue Nutzlasten ins All gestartet. 
  • Ein neuer Trend: Konstellationen ändern ihre Flughöhe von Jahr zu Jahr deutlich. 
  • Neue Kennzahl im diesjährigen Bericht: das Risiko für Personenschäden am Boden durch Wiedereintritte. Auch wenn die Zahlen im Vergleich zu alltäglichen Risiken gering sind, ist die Wahrscheinlichkeit eines Personenschadens in den letzten Jahren gestiegen, bedingt durch den zunehmenden Traffic im erdnahen Orbit. 
  • Die anhaltenden Wachstumstrends führen zu einer besorgniserregenden Entwicklung bei den Zukunftsprognosen. Die erwartete Zahl an Objekten und Kollisionen im niedrigen Erdorbit schießt trotz eines verkürzten Zeithorizonts von 200 auf 100 Jahre in einem sich selbst verstärkenden Effekt in die Höhe. 
  • Der ESA Space Environment Health Index zeigt mit einer einzigen Kennzahl an, ob unser derzeitiges Verhalten im Weltraum langfristig nachhaltig ist. 2025 hat sich die langfristige Wirkung unserer aktuellen Aktivitäten im Weltraum innerhalb eines einzigen Jahres um eine ganze Größenordnung verschlechtert. 
  • Aktive Schrottentfernung (“Active Debris Removal”) ist notwendig, um dem Kessler-Syndrom entgegenzuwirken: dem Umstand, dass Weltraumschrott durch Kollisionen fortlaufend neuen Schrott erzeugt und die Objektzahl so immer weiter wächst. 
  • Manche Indikatoren zeigen ein steigendes Interesse an und eine wachsende Einhaltung von Maßnahmen zur Schrottvermeidung, doch wir müssen schneller, konsequenter und zuverlässiger werden. Andernfalls bürden wir künftigen Generationen einen hohen Preis für jegliche Aktivität im Weltraum auf. 

In-depth

Wachstumstrends halten an

Entwicklung der Objekte im Orbit: Anzahl der Nutzlasten im niedrigen Erdorbit (links); Entwicklung der Objektzahl im Erdorbit nach Objekttyp (rechts). Zum Vergrößern anklicken.
Entwicklung der Objekte im Orbit: Anzahl der Nutzlasten im niedrigen Erdorbit (links); Entwicklung der Objektzahl im Erdorbit nach Objekttyp (rechts). Zum Vergrößern anklicken.

Raumfahrtaktivitäten nehmen weiterhin in bemerkenswertem Tempo zu. 2025 fanden mehr als 300 Starts statt, bei denen über 4000 neue Nutzlasten in den Orbit gebracht wurden. Große Konstellationen und die zunehmende Nutzung von Mitflugmissionen (“Rideshare”) bedeuten, dass pro Start mehr Satelliten ausgesetzt werden, während Missionen mit nur einer einzigen Nutzlast immer seltener werden. 

Gleichzeitig wächst auch die DebrisPopulation weiter, wozu sowohl Fragmentationstrümmer als auch ausgediente Nutzlasten erheblich beitragen. 

Ein weiterer Trend ist die wachsende Zahl an Objekten im Orbit mit unklarer Einordnung, was auf eine zunehmende Lücke zwischen erfassten und katalogisierten (also einer bekannten Quelle zugeordneten) Fragmenten hinweist. Mit verbesserten Technologien lassen sich zwar mehr Objekte beobachten, doch viele dieser erkennbaren Objekte können noch keiner bestimmten Quelle oder einem Zerfallsereignis zugeordnet werden. Das zeigt, wie komplex die Weltraumumgebung inzwischen geworden ist und macht deutlich, wie dringend eine bessere Überwachung und ein wirksameres Weltraumverkehrsmanagement (“Space Traffic Management”) gebraucht werden, um Kollisionen und Fragmentierungen zu vermeiden. 

Verändertes Verhalten

Satelliten bewegen sich als Gruppe in den letzten Jahren verstärkt über verschiedene Flughöhen hinweg, was zu einer sich wandelnden Orbitlandschaft führt. Zum Vergrößern anklicken.
Satelliten bewegen sich als Gruppe in den letzten Jahren verstärkt über verschiedene Flughöhen hinweg, was zu einer sich wandelnden Orbitlandschaft führt. Zum Vergrößern anklicken.

Eine Orbitallandschaft im Wandel 

Satelliten verbleiben nicht mehr zwangsläufig in denselben Orbitalbahnen. Mit der Ausweitung großer Konstellationen und dem Einsatz immer weiterer Raumfahrzeuge verteilen sich aktive Nutzlasten über ein breiteres Spektrum an Flughöhen. 

Diese Verschiebung unterstreicht, wie wichtig ein wirksames Weltraumverkehrsmanagement und eine verantwortungsvolle Entsorgung am Missionsende sind. Der Austausch von Daten zu geplanten Konstellationseinsätzen in Verbindung mit effektivem Verkehrsmanagement im Orbit kann Herausforderungen bei der Missionsplanung verhindern. 

 

Wiedereintrittsrate bleibt hoch  

Entwicklung der Anzahl wiedereintretender Objekte pro Jahr nach Objekttyp (ohne bemannte Raumfahrt). Zum Vergrößern anklicken.
Entwicklung der Anzahl wiedereintretender Objekte pro Jahr nach Objekttyp (ohne bemannte Raumfahrt). Zum Vergrößern anklicken.

Die Wiedereintrittsaktivität blieb 2025 hoch, angetrieben sowohl vom raschen Wachstum der Raumfahrtaktivitäten als auch von einer verbesserten Einhaltung der Richtlinien zur Schrottvermeidung. Bei rund zehn täglichen Starts und mehr als drei täglich wiedereintretenden, intakten Objekten stieg die Zahl der Nutzlasten weiter an, die im Rahmen der geplanten Entsorgung am Missionsende zur Erde zurückkehren. 

Das spiegelt einen positiven Wandel hin zu kürzeren Verweildauern im Orbit wider, begünstigt durch den Übergang von der 25-Jahres- zur 5-Jahres-Entsorgungsfrist im niedrigen Erdorbit. 

Kontrollierte Wiedereintritte von Raketenkomponenten übertrafen unkontrollierte bereits im zweiten Jahr in Folge – ein Zeichen für Fortschritte bei verantwortungsvollem Missionsbetrieb im Weltraum. 

Neue Kennzahl im Bericht: Risiko für Personenschäden am Boden

Entwicklung des geschätzten Risikos für Personenschäden am Boden durch unkontrollierte Wiedereintritte. Zum Vergrößern anklicken.
Entwicklung des geschätzten Risikos für Personenschäden am Boden durch unkontrollierte Wiedereintritte. Zum Vergrößern anklicken.

Eine neue, in diesem Jahr eingeführte Kennzahl beleuchtet das wachsende Risiko für Personenschäden am Boden durch Teile, die den Wiedereintritt in die Atmosphäre überstehen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Personenschadens im Vergleich zu vielen alltäglichen Risiken gering bleibt, spiegelt der Aufwärtstrend die kumulative Wirkung von mehr Starts, mehr Satelliten und mehr Wiedereintritten wider. 

Eine Risikominderung ließe sich durch mehr kontrollierte Wiedereintritte von Nutzlasten sowie durch die breitere Anwendung von „Design-for-Demise"-Technologien erreichen, die dafür sorgen, dass Satelliten beim Wiedereintritt möglichst vollständig verglühen. 

Zukunftsprognosen

Projiziert man das Wachstum der Objektzahl im Weltraum (aktive Raumfahrzeuge und Schrott) in die Zukunft, zeigt sich erschreckend deutlich, welche drastische Wirkung das derzeitige Startverhalten von Jahr zu Jahr entfaltet. Zum Vergrößern anklicken.
Projiziert man das Wachstum der Objektzahl im Weltraum (aktive Raumfahrzeuge und Schrott) in die Zukunft, zeigt sich erschreckend deutlich, welche drastische Wirkung das derzeitige Startverhalten von Jahr zu Jahr entfaltet. Zum Vergrößern anklicken.

Zahl der Objekte wird in die Höhe schießen 

Seit Jahren enthält unser Space Environment Report eine standardisierte Langzeitprognose für Objekte von über 10 Zentimetern Größe, um mögliche Zukunftsszenarien zu vergleichen. Jede Linie zeigt dabei einen Aufwärtstrend mit höheren Werten als im Vorjahr. Trotz verbesserter Vermeidungsmaßnahmen verzeichnen wir nun erneut ein Nettowachstum der Weltraumschrott-Population. In Kombination mit der Zunahme aktiver Satelliten und gestarteter Konstellationen sowie deren geschätztem Risikoniveau wird der selbstverstärkende Effekt des Kessler-Syndroms (siehe auch unten) deutlich früher sichtbar als bisher angenommen. 

Der Prognosehorizont wurde tatsächlich von 200 auf 100 Jahre verkürzt, weist aber trotzdem noch deutlich höhere Werte auf als noch vor einem Jahr. 

In einer Zukunft ohne aktive Schrottentfernung und systematische Entsorgung am Missionsende führen Kollisionsfragmente zu weiteren Kollisionen. Zum Vergrößern anklicken.
In einer Zukunft ohne aktive Schrottentfernung und systematische Entsorgung am Missionsende führen Kollisionsfragmente zu weiteren Kollisionen. Zum Vergrößern anklicken.

Das eigentliche Risiko: Kollisionen erzeugen Kollisionen

Die größte langfristige Bedrohung ist nicht einfach die steigende Zahl an neuen Objekte durch mehr Starts, sondern der sich selbst erhaltende Kreislauf, bei dem Kollisionen Fragmente erzeugen, die wiederum weitere Kollisionen auslösen: das Kessler-Syndrom. 

Selbst wenn keine neuen Satelliten mehr gestartet würden, würde die Debris-Population weiter wachsen, da Fragmentationsereignisse schneller neuen Schrott erzeugen, als dieser natürlich in die Atmosphäre eintreten kann. Mit der Zeit könnten dadurch einige Orbitalregionen zunehmend unsicher und schließlich unbrauchbar werden. 

Vorsorge ist besser als Nachsorge und in diesem Fall auch deutlich günstiger. Die Schrottvermeidung durch Weltraumverkehrsmanagement, Entsorgung am Missionsende und Zero-Debris-Praktiken bleibt unverzichtbar, reicht allein aber nicht mehr aus. Aktive Schrottentfernung muss Teil der Lösung werden und zwar bald, um den Weltraum auch für künftige Generationen nutzbar zu halten. 

Der „Space Environment Health Index“ prognostiziert die Gesamtwirkung der einzelnen Auswirkungen von Satelliten im Zeitverlauf, normiert auf das im Jahr 2014 festgelegte Ziel einer nachhaltigen Umwelt. Zum Vergrößern anklicken.
Der „Space Environment Health Index“ prognostiziert die Gesamtwirkung der einzelnen Auswirkungen von Satelliten im Zeitverlauf, normiert auf das im Jahr 2014 festgelegte Ziel einer nachhaltigen Umwelt. Zum Vergrößern anklicken.

Gesundheits-Index: Langzeitwirkung verschlechtert sich um das Zehnfache 

So wie Klimaforscher*innen die Temperatur als zentralen Indikator für die globale Erwärmung nutzen, braucht auch die Raumfahrt-Community eine klare, quantifizierbare Kennzahl, um die Auswirkungen von Objekten und Missionen auf die Nachhaltigkeit im Orbit zu bewerten. 

Der Space Environment Health Index liefert genau eine solche Kennzahl. Er ist ein einzelner Wert, der widerspiegelt, wie gesund oder belastet die Erdorbitumgebung ist und welche Folgen zu erwarten sind. 2014 wurde ein Referenzszenario auf Basis einer weitgehenden Umsetzung von Schrottvermeidungsmaßnahmen festgelegt, was hier als Maßstab für eine akzeptable Entwicklung der Schrottumgebung dient. Alles darüber bedeutet eine entsprechend höhere Belastung der Erdorbitumgebung, als nachhaltig wäre. 

Der enorme Sprung des Index von etwa 4 auf 50 innerhalb nur eines Jahres bedeutet, dass sich die bereits über das nachhaltige Maß hinausgehenden Auswirkungen unserer Raumfahrtaktivitäten binnen eines einzigen Jahres um eine ganze Größenordnung verschlechtert haben. 

Lesen Sie den vollständigen ESA Space Environment Report 2026  

Was unternimmt die ESA dagegen?

RISE: Extending missions in geostationary orbitRISE: Verlängerung von Missionen im geostationären Orbit
RISE: Extending missions in geostationary orbitRISE: Verlängerung von Missionen im geostationären Orbit

Die ESA ist in zahlreichen Bereichen aktiv, um die Auswirkungen von Weltraumschrott zu erforschen, zu verhindern und einzudämmen, viele davon im Rahmen des ESA-Programms für Weltraumsicherheit (Space Safety Programme), das sich für eine sichere und nachhaltige Zukunft im (und aus dem) Weltraum einsetzt.

Auf dem Weg zu Zero Debris

Ein besseres Verständnis des Problems durch Tracking und Reporting zu Weltraumschrott ist nur der erste Schritt zur Lösung des Schrottproblems. 

Die ESA hat sich zum Ziel gesetzt, die Entstehung von Schrott im Erd- und Mondorbit bei allen künftigen Missionen, Programmen und Aktivitäten bis 2030 durch ihren Zero-Debris-Ansatz deutlich einzuschränken. Die ESA geht dabei mit gutem Beispiel voran und verfolgt im Rahmen dieses ganzheitlichen Ansatzes zahlreiche parallele Aktivitäten: 

  • 2023 hat die ESA die Gründung der Zero Debris Charter durch die Zero-Debris-Community mit Dutzenden zentralen Akteuren aus der globalen Raumfahrtbranche unterstützt. Die Zero-Debris-Community sowie politische Arbeitsgruppen haben seitdem das Zero Debris Technical Booklet erarbeitet, im Grunde eine To-do-Liste, die die technischen Lösungen definiert, die zur Umsetzung der Ziele der Zero Debris Charter notwendig sind, und arbeiten an deren Umsetzung.  

Orbits aufräumen

Sowohl die ESA und als auch ihre Partner entwickeln gerade Missionen, die aktiv gegen die Entstehung von Space Debris vorgehen. Dazu zählen die Entwicklung neuer Passivierungstechniken, die Vermeidung von Zerfall im Orbit sowie Demonstrationen zur aktiven Schrottentfernung und zur Wartung im Orbit. 

Wo möglich, versucht die ESA, Satelliten, die lange vor Inkrafttreten der heutigen Richtlinien konzipiert und gebaut wurden, gezielt aus dem Orbit zu entfernen. Die Agentur setzt sich stark dafür ein, Missionen wie Aeolus und Cluster auf nachhaltigere Weise aus dem Orbit zu bringen, als ursprünglich vorgesehen war. 

Die aktive Schrottentfernung in überfüllten Orbits wird mit der ESA-Mission ClearSpace-1 erprobt. Die Agentur arbeitet zudem an einer standardisierten Schnittstelle zur Entfernung von Satelliten, damit diese bei Bedarf leichter entfernt werden können, im Rahmen der ESA-Demonstrationsmission CAT

Ein weiterer, zunehmend wichtiger Aspekt ist die Sorge um die Verschmutzung der Atmosphäre durch Wiedereintritte. Hier braucht es dringend ein Zusammenspiel zwischen den Bemühungen, das Risiko für Personenschäden am Boden durch Design-for-Demise (also das vollständige Verglühen von Raumfahrzeugen beim Wiedereintritt) zu senken, und etwaigen Schutzmaßnahmen für unsere Atmosphäre. Ein erster Schritt besteht darin, Daten zu Umfang und Details dieser Verschmutzung zu sammeln, um für etwaige Gegenmaßnahmen eine solide wissenschaftliche Grundlage zu schaffen. 

Eine Kreislaufwirtschaft im Weltraum 

Ein langfristiges Ziel der ESA ist der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft (“Circular Economy”) im Weltraum durch Wartungsdienste im Orbit (In-Orbit-Servicing). Das bedeutet: Betankung, Wartung und Reparatur von Raumfahrzeugen im Weltraum sowie Recycling und Wiederverwendung von Ressourcen bei der Fertigung direkt im All. 

Der Paradigmenwechsel vom „Wegwerf"-Satelliten hin zu Wiederverwendung und In-Orbit-Servicing wird einen tiefgreifenden Wandel in der gesamten Raumfahrtbranche bedeuten, einer, der Europa zahlreiche Chancen eröffnet. 

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