Gaia wird auf der Oberstufe montiert und mit der Nutzlastverkleidung versehen.
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Zwei Jahrzehnte Vorbereitungszeit

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ESA / Space in Member States / Germany

 

Die Gaia-Mission beruht auf einem Vorschlag des schwedischen Astronomen Lennart Lindegren von der Universität Lund aus den 1980er-Jahren. Ziel war, die mit Hipparcos erreichte führende Stellung in der Welt zu festigen und weiter auszubauen. Erste Studien zu einer anspruchsvollen Hipparcos-Nachfolgemission stellten die Europäer 1993 vor.

Langer Atem notwendig

 

Jedem der beteiligten Astronomen und Ingenieure war bereits damals klar, dass eine derartige Mission der Superlative neben einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung nicht zuletzt eine sichere Finanzierung benötigt. Auch Verzögerungen – ursprünglich sollte Gaia schon im Oktober 2011 abheben – sind bei einer derart komplexen Mission nicht ungewöhnlich.

Nach über zwei Jahrzehnten und annähernd sieben Jahren Bauzeit am Satelliten wird Lindegrens Idee nun in Kürze in die Tat umgesetzt. Als Starttermin ist gegenwärtig der 20. Dezember 2013 vorgesehen, wobei das aktuelle Startfenster vom 17. Dezember 2013 bis zum 5. Januar 2014 geht.

Die Gaia-Mission ist auf fünf Jahre ausgelegt, doch die Auswertung des erwarteten gigantischen Datenmaterials dürfte rund zehn Jahre in Anspruch nehmen. Die Missionskosten belaufen sich, einschließlich Trägerrakete, Start, Bodenkontrolle, Raumsonde und Nutzlast, auf etwa 740 Millionen Euro. Hinzu kommen noch ungefähr 200 Millionen Euro für die Datenverarbeitung.

Mit ersten Teilergebnissen ist frühestens 2016/17 zu rechnen, mit Endergebnissen ab 2022. Damit wird zugleich deutlich, dass Projekte dieser Art von den Forschern einen sehr langen Atem erfordern. Einige von ihnen werden bereits pensioniert sein, wenn die Endergebnisse erscheinen. Gefragt sind daher junge Langstreckenläufer, die rechtzeitig den Stab übernehmen.

Aus GAIA wird Gaia

 

Dass sich bei einem Planungszeitraum von zwei Jahrzehnten auch Technologien weiterentwickeln, ist nachvollziehbar. Darauf macht selbst der Name GAIA ungewollt aufmerksam, dessen Akronym „Globales Astrometrisches Interferometer für die Astrophysik" auf ein Messprinzip der optischen Interferometrie hinweist, das längst ad acta gelegt worden ist. Doch der einmal gefundene einprägsame Name sollte schon wegen der Projektidentität bestehen bleiben. Daher wird Gaia nun kleingeschrieben.

So kam es zu dem Paradoxon, dass die Mission den griechischen Namen der antiken Erdgöttin trägt, obwohl sie mit der guten alten Erde absolut nichts zu tun hat. Die Erde wäre sogar für Gaia aufgrund der starken thermischen Strahlung des Planeten schädlich. Nicht umsonst soll die Raumsonde in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung positioniert werden.

Als Brücke zwischen dem Namen und der Mission bliebe die Verbindung zu extrasolaren Planeten, die Suche nach der „zweiten Erde“. In der Tat vermag Gaia allerfeinste Taumelbewegungen eines Sterns zu registrieren. Das wäre ein sicheres Indiz für die Existenz eines Exoplaneten oder gar eines extrasolaren Systems.

Immerhin rechnen die Astronomen mit einer vier- bis fünfstelligen Zahl neuentdeckter Exoplaneten. Gewissermaßen als Nebenprodukt der astrometrischen Messungen, denn Gaias Hauptaufgabe besteht nicht in der Planeten-, sondern vielmehr in der „Sternenjagd“.

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