Happy Birthday ESOC! Aus dem ESA-Kind, das am 8. September 1967 in einem bescheidenen Haus am Rande von Darmstadt das Licht der Erde erblickte, hat sich Europas leistungsfähigstes Satellitenkontrollzentrum entwickelt, das selbst anspruchsvolle Tiefraum-Missionen in die unendlichen Weiten des Universums nicht scheut. Über 700 Mitarbeiter überwachen und steuern von hier europäische Satelliten oder bereiten künftige Missionen vor. Heute hat das 40 000 Quadratmeter umfassende European Space Operations Centre ESOC höchstes Ansehen weltweit gewonnen.
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Wie alles begann
Eine der beiden Vorläufer-Organisationen der heutigen Europäischen Weltraumagentur ESA, die European Space Research Organisation (ESRO), hatte 1963 auf einem Teil des Geländes des heutigen ESOC ein Datenzentrum zur Speicherung, Verarbeitung und Analyse der von Höhenforschungsraketen und Satelliten eingehenden Daten errichtet. So entstand das European Space Data Centre (ESDAC). Damit war auch die räumliche Basis für das spätere ESOC gelegt.
Mit der Entwicklung und dem Bau eigener Satelliten benötigte die ESRO in der zweiten Hälfte der 60er Jahre bald ein Zentrum zur Sicherstellung des Betriebes der "Eigengewächse". Die Verantwortlichen entschieden sich für den Standort Darmstadt. Am 8. September 1967 eröffnete der damalige Forschungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Gerhard Stoltenberg, das ESOC. 95 Mitarbeiter machten sich an die Aufbauarbeit und bald wurde der erste europäische Satellit von Darmstadt aus gesteuert. Nur 2000 Quadratmeter Fläche wurden damals benötigt. Heute besitzt der Komplex neben den Funktionsgebäuden eine eigene Energiezentrale.
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ESRO 2 war der Erste
Nur acht Monate nach Eröffnung des Kontrollzentrums, am 17. September 1968, wurde der Wissenschaftssatellit ESRO 2 gestartet. Das ESOC musste seine Feuertaufe bestehen - und hat sie bestanden.
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Obwohl damals auf dem neuesten technischen Stand, wirken die Computer und Terminals der ersten Stunde heute doch recht antiquiert. So mancher jüngerer Mitbürger wundert sich, wie mit diesen "Blechungetümen" damals eine anspruchsvolle Mission geführt werden konnte. In der Tat haben es die Operateure heute einfacher. Hochentwickelte Software bildet auf leistungsfähiger Hardware die meisten Prozesse grafisch auf Bildschirmen und Bildwänden ab. Dafür müssen heute auch größere Datenmengen verarbeitet werden, denn die Technik an Bord der Raumflugkörper hat ebenfalls Quantensprünge in ihrer Leistungsfähigkeit hinter sich. Und die Ziele der von Menschenhand geschaffenen Himmelsboten wurden auch immer anspruchsvoller.
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Der Griff in die Tiefen des Alls
Bald genügte die Erdumlaufbahn von wenigen hundert Kilometern Höhe oder die geostationäre Bahn nicht mehr. Neue Ziele, wie beispielsweise Kometen, wurden von den Wissenschaftlern anvisiert. Den sich daraus ergebenden Anforderungen musste sich auch das ESOC stellen. Während bei der Kometensonde Giotto Mitte der 80er Jahre noch das leistungsfähige Bodenstationsnetz für Tiefraummissionen der NASA in Anspruch genommen werden musste, kann für die nächsten interplanetaren Missionen der ESA auf eine eigene Antenne in Australien zurückgegriffen werden. Sie ist mit 35 Metern Durchmesser eine der größten Stationen der Welt für derartige Aufgaben. Die in nächster Zeit beginnenden ESA-Missionen Rosetta, Mars Express und Smart-1 werden die ersten Kunden für dieses Meisterwerk der Technik sein.
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Wettermacher aus Darmstadt
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Im Spinnennetz des ESOC
Für die ständige Verbindung zu den künstlichen Himmelskörpern wurde ein weltweites Netz von Bodenstationen geschaffen, die sich wie ein Spinnennetz über den Erdball legen. ESTRACK ist der Name dieses Systems. Gewissermaßen im Handshake-Verfahren werden die Satelliten beim Überflug über die Station übernommen und wenige Minuten später an die nächste Station wieder abgegeben. Das trifft für alle Raumflugkörper nach dem Start und bei der Inbetriebnahme zu. Bei einigen Missionen ist ein derartiger Aufwand später nicht mehr nötig. Sie übergeben die gesammelten Daten nur an eine bestimmte Station in größeren Zeitabständen. Zur sicheren Datenübertragung zwischen dem Kontrollzentrum in Darmstadt und den Bodenstationen wurde ein eigenes Kommunikationsnetz geschaffen – das Spinnennetz.
Im Zentrum des Netzes sitzt als Spinne der gewaltige Rechnerkomplex des ESOC, der alle Daten aus dem Netz saugt und verarbeitet, sowie Kommandos an die aktiven Satelliten über das Bodenstationsnetz ausgibt. In der Zentrale sind aber auch noch zahlreiche andere Aufgaben zu bewältigen. Die Arbeit an einer Mission beginnt schließlich Jahre vor dem Start. Dazu gehören am ESOC die Bahnanalyse, die Berechnung wichtiger Bahnparameter sowie die Ermittlung der Flugdynamik eines Raumflugkörpers. Schließlich werden alle Abläufe an einem Computer-Modell des Satelliten wochenlang simuliert, bis alles schlüssig und fehlerfrei ist. Erst dann steht einer neuen Mission nichts mehr im Weg.
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